Neustart kann eine Chance sein

Von Steffen Gross

Ladenhüter oder Kalkül? Über Gründe, warum ausgerechnet das erste privatisierte Hochschulkrankenhaus Deutschlands nicht auf dem Einkaufzettel steht, lässt sich viel spekulieren. Grundsätzliche Zweifel an der Attraktivität eines defizitären Doppel-Hauses sind natürlich angebracht. Falls Fresenius also wenig erpicht sein sollte auf den Kauf eines Klinikums, das seit vielen Monaten unter Sparzwängen ächzt und untere anderem von 16 Millionen Euro Steuergeld jedes Jahr am Leben erhalten werden muss, wäre das nur allzu verständlich. Überdies dürfte sich auch bis Bad Homburg herumgesprochen haben, dass Rhön sich und seinem Image mit dem UKGM und unzähligen Negativ-Schlagzeilen in den vergangenen Jahren keinen Gefallen getan hat.

Der Verzicht auf das UKGM hat aber auch ganz praktische Vorteile. Anders als die Komplettübernahme ist der Teilerwerb ohne die Zustimmung der Aktionäre möglich. So läuft Fresenius nicht Gefahr, dass die Konkurrenz das Geschäft torpediert - so wie im Vorjahr Asklepios und B. Braun.

Auch den zweiten möglichen Fallstrick räumt Fresenius ohne das UKGM aus dem Weg an die europäische Spitze der privaten Klinikbetreiber: Bei einem Eigentümerwechsel würde dem Land Hessen ein Rückkaufsrecht zukommen. Dass eine rot-grüne Landesregierung nach dem 22. September davon Gebrauch machen würde, ist mehrfach angekündigt.

Zu hoffen bleibt, dass Fresenius nicht allein wegen solcher Befürchtungen und aus Kostengründen auf den UKGM-Kauf verzichtet. Und dass der verbleibende Rhön-Verbund seine Ankündigung einer Neuausrichtung auf Spitzenmedizin, Wissenschaft und Forschung ernst meint. Es wäre den Klinikstandorten Gießen und Marburg und ihren 9700 Beschäftigten zu wünschen, dass es so kommt - zusammen mit dem Geld aus dem Mega-Klinik-Verkauf. Das Geld ist dringend nötig für Investitionen am UKGM. Um dann auf gesunder Basis in der kleineren Rhön-Einheit bestehen zu können.


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