Nicht mehr 
als ein Anfang

Plastik-Verbot der EU

Von Frank Rademacher

Dass jährlich nach Schätzung der EU-Kommission 500 000 Tonnen Plastikmüll in den Meeren landen, ist mit Gedankenlosigkeit allein nicht zu erklären. Ohne flächendeckende Ignoranz und kriminelle Absichten ist eine solche Menge nicht im Wasser unterzubringen.

Darin liegt der eigentliche Skandal, der gleich von mehreren skandalösen Begleiterscheinungen verstärkt wird. Dass es so lange gedauert hat, bis die Politik einen ersten Schritt unternimmt, um den Plastikmüll einzudämmen, zeigt, dass auch unter den gewählten Mandatsträgern die Ignoranz gegenüber der massiven Umweltschädigung noch weit verbreitet ist.

Da verwundert es auch nicht, dass EU-Kommissar Günther Oettinger die Absicht, Plastikgeschirr verbieten zu wollen, verteidigen muss.

Zugleich rennt der Christdemokrat mit dem Ansinnen der Brüsseler Kommission bei vielen offene Türen ein. Nicht wenige Verbraucher würden nämlich gerne weniger Plastikmüll entsorgen müssen, werden aber vom Handel und allerhand fragwürdigen Hygieneverordnungen daran gehindert.

Und so wird weiter doppelt und dreifach verpackt. Wer den Döner nicht vor Ort verspeist, erhält den Imbiss, der in einer Papiertüte sitzt, in Alufolie eingepackt und im Zweifel auch noch in einer Plastiktüte verstaut. Beim Hamburger aus dem Fastfood-Restaurant verhält es sich ähnlich. Auch die Tube Zahnpasta steckt noch in einem Karton, der nur unnötigerweise die Menge des Papiermülls vergrößert.

Die Pläne der EU sind so gesehen nicht mehr als ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen. Ein Verbot von verzichtbaren Doppelverpackungen wäre ein nächster. Dass die Kunststoffbranche und die Verpackungsindustrie dagegen Sturm laufen werden, ist so verständlich wie vorhersehbar. Es würde der Umwelt und damit Menschen, Tieren und Pflanzen helfen, wenn der Protest der Lobbyisten unbeachtet bliebe.

Es lassen sich aus Kunststoff wahrlich sinnvollere Dinge herstellen als Plastikgabeln, Ballonhalter oder Strohhalme. Weg mit dem Müll und zwar für immer!


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