Nicht wie die Lokführer

Von Michael Klein

Die sozialen Berufe in Deutschland sind wahrlich schlecht bezahlt - ob Krankenschwestern, Pfleger, Demenzbetreuer oder eben die Erzieherinnen. Wer mit Maschinen umgeht, der verdient in aller Regel mehr als jemand, der junge Menschen auf ihr Leben vorbereitet oder mit alten Menschen die letzten Wege auf Erden gemeinsam geht. Das ist einer reichen Gesellschaft wie der unseren unwürdig. Und es führt dazu, dass sich immer weniger Menschen für diese aufopferungsvollen Berufe entscheiden. Berufe, in denen zugleich immer mehr verlangt wird - vom Gesetzgeber wie von den Angehörigen.

Deutschland eilt bei den Steuereinnahmen seit Jahren von Rekord zu Rekord - und das ganz sicher auch in Zukunft. Und ein solches Land soll sich eine angemessene Bezahlung seiner sozialen Fachkräfte nicht leisten können?

Die Erzieherinnen streiken also, damit die Betreuung der Kinder gut bleibt. Da sollten die Eltern eher bereit sein, Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen, als es zurzeit Millionen Bahnkunden sind. Die nämlich sind Opfer eines bizarren Machtspiels einer Kleingewerkschaft geworden. Die streikenden Lokführer könnten längst ein kräftiges Gehaltsplus in der Tasche haben. Doch sie schlagen das Angebot der Bahn einfach aus. Stattdessen streiken sie weiter, um ihre Gewerkschaft und deren Vorsitzenden mächtiger zu machen.

Das Kalkül ist einfach: Wenn die kleine, streikfreudige Gewerkschaft etwa auch für Rangierführer einen besseren Tarifabschluss erreicht als die größere Gewerkschaft, dann könnte die kleine der größeren Gewerkschaft Mitglieder wegschnappen. Das hat mit gewerkschaftlicher Solidarität natürlich nichts zu tun - ebenso wenig wie das so entstehende Zweiklassensystem bei den Gehältern der Rangierführer.

Dass es auch anders geht, zeigt die Zusammenarbeit der Gewerkschaften beim Tarifkonflikt der Erzieherinnen. Hier kämpfen alle gemeinsam - und nicht wie bei der Bahn einige wenige ohne Rücksicht auf die anderen.

- Bericht S. 1, Politik S. 2, Geld · Märkte · Arbeit S. 9


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