"Null Toleranz" statt Wegsehen

Soldaten missbrauchen Kinder

Von Regina Tauer

Sechs Jungen zwischen neun und 13 Jahren wurden von französischen Soldaten in einem UN-Flüchtlingslager in der Zentralafrikanischen Republik sexuell missbraucht. Mit dem Versprechen "Brot gegen Sex" wurden die hungrigen Kinder gefügig gemacht - so lautet der ungeheuerliche Vorwurf. Wenn dies zutrifft, dann entpuppten sich die Beschützer als menschenverachtende Vergewaltiger.

Die Vereinten Nationen fordern nun Aufklärung der "zutiefst verstörenden Vorwürfe" und die Bestrafung der Täter. Spät, sehr spät kommt die Reaktion der Weltorganisation. Der Kindesmissbrauch liegt bereits viele Monate zurück, ohne dass etwas geschah und obwohl Aussagen der Kinder bis hin zu detaillierten Beschreibungen von Tattoos der Täter vorlagen. Die UNO hat nicht nur weggesehen, sie hat sogar einen ihrer Mitarbeiter, der Alarm schlug, vom Dienst suspendiert. Er hatte die Namen der Opfer in seinem Bericht nicht geschwärzt - aus Sicht seiner Vorgesetzten offenbar ein schlimmeres Vergehen als die sexuellen Übergriffe auf hilflose Kinder.

Es wird schwer sein, nach so langer Zeit die Täter zu überführen. Frankreich hat zwar im Mai ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Doch das scheint in erster Linie der Rettung des angeschlagenen Images der Grande Nation geschuldet zu sein. Denn nicht zuletzt waren die Friedensmissionen Frankreichs eine der wenigen Momente in Hollandes Präsidentschaft, in denen der sozialistische Präsident bei seinen Landsleuten punkten konnte. Darauf liegt jetzt ein Schatten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Soldaten, die als Befreier oder Helfer kommen, die Notlage der Menschen ausnutzen. Vorwürfe sexueller Übergriffe gab es in den 1990ern zum Beispiel auch im Kosovo. Die UN haben darauf mit Programmen gegen sexuelle Ausbeutung reagiert. "Null Toleranz"scheint aber nur in der Theorie zu gelten. Sonst hätte es zu einer solchen Verschleppung der Aufklärung in der Zentralafrikanischen Republik nicht kommen dürfen.

Diese Versäumnisse kosten die Weltgemeinschaft Ansehen. Der Eindruck könnte entstehen: Entweder schaut der Westen bei Konflikten und humanitären Katastrophen weg. Oder wenn er dann doch eingreift, vergreifen sich seine Soldaten an den Kindern.


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