Schavan bleibt nur der Rücktritt

Von Klaus P. Andriessen

Dass Schavan ihre Anwälte gegen das Düsseldorfer Urteil ankämpfen lässt, ist ihr gutes Recht. Sie muss es wahrnehmen, schon um vor sich selbst das Gesicht zu wahren. Denn andernfalls wäre ihre erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Darstellung, dass es sich bei den Mängeln ihrer vor über 30 Jahren geschriebenen Arbeit nur um Flüchtigkeitsfehler handeln könne, völlig unglaubhaft. Weniger verständlich ist allerdings, dass die Anwälte in ihrer Klage offenbar auf Verfahrensmängel spekulieren, die dem Urteil der Universität Düsseldorf aus rein formalen Gründen die Basis entziehen könnten. Solche Wege beschreiten Juristen vor allem dann, wenn in der Sache selbst keine Gegenwehr sinnvoll erscheint. Bei der Sache handelt es sich in Schavans Fall allerdings um die missbräuchliche Aneignung fremden Gedankengutes. Und eine solche lässt sich durch bloßen Textvergleich nachweisen. Da eine Überprüfung des Düsseldorfer Votums also in der Sache möglich ist, wirkt der Seitenweg über die Verfahrensfrage schlicht peinlich.

Völlig unabhängig vom Ausgang dieser Klage ist Schavan als Bundesbildungsministerin zutiefst beschädigt. Man stelle sich nur vor, wie sich Studenten bei ihrem Auftritt in einer Hochschule grinsend anstubsen. Das wäre der Ministerin nicht würdig, die sich in ihrer Laufbahn einen erstklassigen Ruf erworben hat. Mit einem raschen Rücktritt würde sie sich daher selbst einen Gefallen tun - und ihre Kanzlerin im Wahlkampf entlasten.


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