Schwarze Schafe unter weißen Kitteln

Von Michael Klein.

Patienten können von den „Halbgöttern in Weiß“ zu Recht eine weiße Weste erwarten. Ärzte dürfen sich in Sachen Korruption nicht mit anderen Berufen vergleichen, die auf das Leben jedes Einzelnen weit weniger Einfluss haben. Wer zum Arzt geht, begibt sich voller Vertrauen in dessen Hand. Wie sollte es auch anders sein?

Aber die Welt ist nicht, wie sie uns gefällt. Es gibt eben auch schwarze Schafe unter den Männern und Frauen im weißen Kittel. Dessen muss sich jeder Patient bewusst sein. Sie müssen bestraft werden und dafür gibt es bereits eine Reihe von Gesetzen. Etwa im Fall der Manipulationen in deutschen Transplantationszentren. Dort haben schwarze Schafe wissentlich gegen geltendes Recht verstoßen, in dem sie bestimmte Organ-Empfänger auf der Warteliste einfach nach oben setzten. Es ist nun Aufgabe der Staatsanwaltschaft aufzuklären, ob dadurch andere Patienten zu Tode gekommen sind, die dringender auf ein Spenderorgan angewiesen waren.

Es gibt in Deutschland 47 Transplantationszentren. Sie werden zurzeit durchleuchtet. Da die Untersuchung noch ganz am Anfang steht, werden schlimme Nachrichten wie die gefälschten Krankenakten aus Leipzig in den kommenden Monaten noch öfter zu vermelden sein. Diese Nachrichten sind auf der einen Seite schrecklich für die Betroffenen, aber gut für die Trockenlegung des Korruptionssumpfes: Jeder aufgedeckte Fall bedeutet, dass die Justiz alles aufbietet, um korrupte Mediziner aus dem Verkehr zu ziehen.

Statt also künftig mit Skepsis oder gar Misstrauen zum Arzt zu gehen, täte es uns als Patienten gut, wenn wir gelassen blieben. Denn die weitaus meisten Mediziner stecken nicht nur in einem weißen Kittel, sondern sind auch tatsächlich ehrliche Heiler und Helfer.

Vor allem denjenigen, die nun am Sinn ihrer Organspende zu zweifeln beginnen, sei gesagt: Wer wegen der Korruptionsfälle künftig auf die Organspende verzichtet, der bestraft nicht etwa die korrupten Ärzte. Er vergrößert das Leid derjenigen, deren Überleben von einem Spenderorgan abhängt. Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Patienten am Ende die Leidtragenden des Skandals sind.


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