Trump spielt mit dem Feuer

Der Kampf um Syrien

Von Michael Klein
Standpunkt zu Trumps Drohung

Ausgerechnet der US-Präsident, der mutmaßlich auch mit russischer Unterstützung ins Amt gekommen ist, tönt via Twitter: „Russland, mach Dich bereit!“ Und als ob es sich um ein Computerspiel handelt, setzt er nach: „Sie (die Raketen) werden kommen, hübsch und neu und ,intelligent!’“ Weiß Trump wirklich, was er da tut?

Dass Russland als Verbündeter Syriens in dem Konflikt eine unselige Rolle spielt, ist im Westen unbestritten. Und dass der jüngste Giftgas-Angriff vom syrischen Regime ausging, dafür sieht auch die deutsche Regierung „schwere Indizien“. Aber wird die Lage in Syrien besser, wenn die USA nun Syrien angreifen und Russland versucht, den Angriff militärisch abzuwenden?

Das wäre dann eine unmittelbare kriegerische Auseinandersetzung zwischen den beiden Supermächten. Es wäre verheerender als die Jahrzehnte des Kalten Krieges. Denn wirkliche Kriege, wenn sie erst begonnen haben, entfalten ihre eigene Dynamik. Wie schnell können russische Soldaten in Syrien Opfer der von Trump geschickten Raketen werden? Und wie schnell können die Nato-Verbündeten der USA, zu denen auch Deutschland gehört, in einen solchen Konflikt hineingezogen werden? Wenn die Waffen sprechen, dann schweigen Politik und Diplomatie. Und im Zeitalter von Twitter reicht dafür ein einziger Tweet eines US-Präsidenten, der die langfristigen Folgen seines Tuns auch in anderen Bereichen nicht abzuschätzen vermag. Und der sich inzwischen nur noch mit Claqueuren umgibt, die Widerspruch nicht kennen.

Weil die Lage im Kreml nicht viel anders ist, geht es am Ende also um einen persönlichen Kampf zwischen Trump und Wladimir Putin. Auch der sieht sich gerne in der Rolle des modernen Feldherrn. Man traut Putin zwar mehr Vernunft zu als Trump – tatsächlich fährt Trump in Syrien einen bauchgetriebenen Zickzackkurs. Aber was bedeutet Putins Realitätssinn schon angesichts seines imperialen Vorgehens etwa in der Ukraine?

Solange in Washington ein Präsident regierte, der Putins Machtstrategie durchschaute, war die Welt einigermaßen sicher. Mit einem Präsidenten, der Krieg für ein Spiel hält, ist sie unsicherer denn je. Barack Obama verzichtete 2013 nach einem Giftgasangriff mit vielen hundert Toten nahe Damaskus auf einen Militärschlag. Obama wusste, dass man die Kriegsparteien in Syrien nicht in Gut und Böse unterteilen kann. Machthaber Assad ist nicht besser als die diversen Terrorgruppen und die sind nicht besser als Assad. Alle führen sie Krieg gegen die eigene Zivilbevölkerung – das ist der einzig verlässliche Befund.

Es ist doch längst zweitrangig, wer den Krieg in einem weitgehend zerstörten Land gewinnt. Es muss darum gehen, ihn zu beenden, damit das Sterben der Unschuldigen aufhört. Wenn Trump Syrien angreift, bewirkt er das Gegenteil: Der Krieg wird verlängert und könnte zu einem weltweiten Flächenbrand werden. Deshalb spielt Trump wie ein unerfahrenes Kind mit dem Feuer. Gegen einen Krieg der Großmächte in und um Syrien werden die Folgen des Irak-Kriegs von George W. Bush verblassen.


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