Überwachung ist nicht mehr zurückzudrehen

VON MICHAEL KLEIN

Denn selbst wenn Amerikaner und Deutsche sich den Verzicht auf gegenseitiges Ausspionieren in die Hand versprochen hätten, wäre diese Zusage nichts wert gewesen. Schließlich hätte Deutschland nicht überprüfen können, ob die National Security Agency (NSA) das Spionieren wirklich eingestellt hätte. Denn das Wesen der Spionage ist, dass sie im Verborgenen stattfindet. Hätte es nicht einen Edward Snowden gegeben, wäre die weltumspannende Ausspähpraxis der NSA ja nie sichtbar geworden.

In Wahrheit ist die Uhr der totalen Überwachung längst nicht mehr zurückzudrehen. Menschen neigen dazu, immer wieder an die Grenze des Möglichen zu gehen. Ebenso wenig wie den Plan für den Bau einer Atombombe lassen sich die Möglichkeiten zurückschrauben, die das Internet auch den Spionen in aller Welt verschafft.

Der Medienjournalist Sascha Lobo, bislang Vorreiter für die Segnungen des Internet-Zeitalters, hat gerade in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" Abschied von der Illusion genommen, das Netz der unbegrenzten Möglichkeiten habe uns Menschen freier gemacht. Sascha Lobo hat recht: Wenn der letzte Winkel des Privaten nicht mehr privat sein darf, ist das Gegenteil von Befreiung eingetreten.

Dieser Punkt ist mit dem NSA-Skandal erreicht. Und die virtuelle Welt beeinflusst die reale auch politisch mehr als uns lieb sein: Das Verhältnis Deutschland/USA wird nie mehr so sein wie vor dem Internet-Zeitalter.


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