Verdient - aber nicht gerecht

Von Michael Klein

Denn es sind nur bestimmte Gruppen, die von dem Paket profitieren - laut Nahles gut zehn Millionen Menschen. Das heißt: Rund 70 Millionen Menschen müssen das Paket bezahlen - ob als Rentner oder Beitragszahler.

Um die Reform zu finanzieren, muss das Rentenniveau für alle Rentner auf 43,7 Prozent gesenkt werden - bislang war von 44,4 Prozent die Rede. Dazu kommt, dass der Beitragssatz für die Rente nun schneller steigen muss: von zurzeit 18,9 Prozent auf 19,7 Prozent im Jahr 2019 - bislang waren 19,1 Prozent geplant. 2025 soll der Satz gar bei 20,8 Prozent liegen statt wie bislang vorgesehen bei 20,3 Prozent. 160 Milliarden Euro kostet das Paket bis zum Jahr 2030.

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Es ist aber nicht nur die Generationen-Ungerechtigkeit, für die die große Koalition am Freitag den Grundstein gelegt hat. Auch die Rentner selbst werden ungleich behandelt. Denn die Rente ab 63 bekommt nur derjenige, der demnächst in Rente geht. Wer aber zum Beispiel 1961 geboren ist und ebenfalls 45 Jahre lang Beitrag gezahlt hat, muss bis zum Alter von 64 Jahren und sechs Monaten arbeiten. Wer 1964 oder danach geboren ist, geht völlig leer aus, bezahlt jedoch das für die Minderheit geschnürte Paket über höhere Beiträge und eine niedrigere Rente. Und selbst für die rentennahen Jahrgänge, die von der Rente ab 63 profitieren, stellt sich die Frage: Wieso gelten nur die Beitragsjahre als Kriterium, nicht aber die Frage der tatsächlichen Belastung durch den Beruf?

Dieses Rentenpaket als "gerecht" zu bezeichnen gelingt nur, wenn man diese Fakten ausblendet. Franz Müntefering (SPD), der Vater der Rente mit 67, hat einmal gesagt: "Opposition ist Mist." Dass eine große Koalition unter Beteiligung seiner eigenen Partei davon noch mehr produzieren würde, dürfte den ehemaligen Vizekanzler schmerzen. Denn wer, wenn nicht eine große Koalition, könnte eine echte Rentenreform stemmen?


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