Verkehrte Welt

VON MICHAEL KLEIN

Denn nachdem die SPD und viel mehr noch die Grünen massive Belastungen nicht nur für höhere Einkommen, sondern auch für die Mittelschicht in Deutschland planen, spitzt sich der Wahlkampf 2013 auf dieses Thema zu. Da lag es für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) offenbar nahe, noch eins draufzusetzen: Mit Union und FDP soll es nicht nur keine neuen Belastungen geben, sondern im Gegenteil Entlastungen.

Was aus solchen Versprechen werden kann, hat man nach der Wahl 2009 erlebt, vor der die Liberalen massive Steuergeschenke versprachen, aus denen bekanntlich nichts wurde. Und die Belastungsorgie der Grünen dürfte andererseits schon an der Verfassung scheitern, die beispielsweise die Ehe unter besonderen Schutz stellt.

Am Ende wird also vieles nicht kommen, was jetzt versprochen (Union/FDP) oder angedroht (SPD/Grüne) wird. Hilfreich für eine Wahlentscheidung ist das dennoch. Denn hinter den Steuermodellen werden Gesellschaftsbilder erkennbar, die gegensätzlicher nicht sein könnten und die die Zukunft unseres Landes prägen werden - so oder so.

So will die Union etwa den Grundfreibetrag für Kinder und das Kindergeld erhöhen. Dahinter steckt: Den Familien selbst soll mehr Spielraum für die Erziehung ihrer Kinder gegeben werden.

Das genaue Gegenteil wollen SPD und Grüne: Der Wegfall des Ehegattensplittings würde beide Partner in die Vollarbeit zwingen. Damit fände die Kindererziehung überwiegend in der Kita statt.

Einerseits lassen sich so Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren. Andererseits dürften sich Eltern mit unterschiedlich hohen Einkommen, die bislang vom Splitting profitieren, künftig eher gegen Kinder entscheiden. Denn sie haben bei einem Wegfall des Splittings erheblich weniger Geld zur Verfügung. Anders gesagt: Viele Ehepaare werden sich die Erziehung eines Kindes dann nicht mehr leisten können.

Das Schöne an der Wahl 2013 ist: Diesmal haben die Menschen eine Wahl, die klarer nicht sein könnte.


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