Verzerrte Wahrnehmung

Von Michael Klein

Auf Rosen gebettet

Und es ist keine Polemik, von einem Dauerstreik der Piloten zu reden. Denn das tun die Piloten ja selbst und in vollem Ernst. "Wir können noch die nächsten paar Jahre streiken", sagte ein Cockpit-Sprecher in dieser Woche. Die Arroganz, die aus diesem Satz spricht, verrät viel über den Gemütszustand der Lufthansa-Piloten: Ihnen reicht es nicht, dass sie im Vergleich zum Großteil ihrer Kollegen bei anderen Fluggesellschaften mit höchsten Privilegien ausgestattet sind. Nein, das alles soll möglichst genau so bleiben - egal, ob die Kunden bereit sind, diese Privilegien auf Dauer durch hohe Ticketpreise zu finanzieren.

Bis zu 255 000 Euro Gehalt (das ist mehr, als die Bundeskanzlerin verdient) und Rente ab 55 - wer derart auf Rosen gebettet ist und trotzdem streikt, der hat eine verzerrte Wahrnehmung der Lebenswirklichkeit. Deshalb bekommen die Piloten womöglich auch nicht mit, welchen irreparablen Schaden sie anrichten: Sie reißen ihr gesamtes Unternehmen in den Abgrund, weil Lufthansa-Kunden mehr und mehr die Vorzüge anderer Fluggesellschaften entdecken. Vor allem den Vorzug, dass der gebuchte Flug auch stattfindet.

Die Androhung jahrelanger Streiks durch die Gewerkschaft wird diesen Effekt noch verschärfen. Der weltfremden Pilotengewerkschaft muss man allerdings sagen: Einen jahrelangen Streik wird es definitiv nicht geben. Denn wie soll die Lufthansa als Unternehmen so lange überleben, wenn sie keine Leistungen mehr anbietet?

Schon jetzt ist der von den Piloten angerichtete Schaden für die Lufthansa und für die betroffenen Flughäfen dramatisch. Er steht in keinem Verhältnis zum Anlass des Streiks.

Die Bundesregierung will mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz die Macht von Spartengewerkschaften wie die der Piloten oder Lokführer eindämmen. Das trifft dann leider auch solche Kleingewerkschaften, die verantwortungsvoll mit dem Streikrecht umgehen. Auch ihnen schaden die Piloten durch ihre Maßlosigkeit.

- Geld · Märkte · Arbeit S. 9


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