Vom gelben zum gefallenen Engel

Von Regina Tauer

Fast 19 Millionen Autofahrer vertrauen dem Verein, orientieren sich an den Empfehlungen und Testergebnissen beim Kauf eines Autos. Auch wenn Manipulationen nur bei der Zahl der Teilnehmer zur Wahl des Lieblingsautos der Deutschen eingeräumt werden: Die Autofahrer sind verunsichert. Wie seriös sind die Empfehlungen zum Kauf eines Winterreifens, was ist von den Autotests zu halten? Der Lack ist ab am Image des ADAC.

Die Spitze des Autolobbyverbandes hat lückenlose Aufklärung angekündigt - personelle Konsequenzen beschränken sich auf den Rücktritt des selbstherrlichen Chefredakteurs der auflagenstarken "Motorwelt" - Michael Ramstetter hat eingeräumt "Scheiße gebaut" zu haben. Geschäftsführer Karl Obermair sieht sich eher in der Rolle des Chefanklägers als darüber nachzudenken, ob er den ADAC in der Vergangenheit etwas sehr nachlässig gesteuert hat. Die Hauptversammlung des Automobilvereins und das Präsidium werden genau hinsehen müssen, ob Obermair nicht seinen Teil zum Glaubwürdigkeitsverlust des weltweit zweitgrößten Automobilclubs beigetragen hat.

Etwas Gutes kann man dem Skandal heute dennoch abgewinnen: Der ADAC, das selbst ernannte Sprachrohr der Autofahrer, wird in der politischen Debatte demütiger auftreten müssen. Etwa beim Thema Tempolimit oder bei der Null-Promille-Grenze. Hier hat sich der ADAC an die Spitze derer gestellt, die dies von vornherein kategorisch ablehnen und gar nicht erst darüber diskutieren wollen. Nicht gerade gut vertreten mögen sich die Autoclub-Mitglieder auch gefühlt haben, als ADAC-Präsident Meyer jüngst anstelle einer Maut eine höhere Mineralölsteuer vorschlug. Glaubwürdigkeit gewinnt man nur mit guten Argumenten zurück.

Dem ADAC stünde eine Rückbesinnung auf seine ureigentlichen Aufgaben gut zu Gesicht: Autofahrern, die im Straßenverkehr gestrandet sind, rasch und unbürokratisch zu helfen. So wie es die gelben Engel Tag für Tag und Nacht für Nacht tun. Hier liegt die Daseinsberechtigung des ADAC.


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