Warum denn Steinbrück wählen?

VON MICHAEL KLEIN

Was Peer Steinbrück am Dienstag zum Thema Außenpolitik gesagt hat, dem wird kaum jemand widersprechen. Auch die Kanzlerin nicht. Etwas anderes ist von einem Kanzlerkandidaten, egal aus welchem Lager er kommt, nicht zu erwarten. Die Außenpolitik ist die größte Konstante der deutschen Politik. Da kann also Steinbrück nicht punkten. Im Gegenteil: Wenn er doch dasselbe macht wie Angela Merkel, aber trotz gegenteiliger Beteuerung eher undiplomatisch: Warum sollten die Deutschen dann in der Außenpolitik den Kanzler auswechseln?

Es war im Jahre 2009, als Steinbrück gegen die Steueroase Schweiz ätzte: "Man muss die Kavallerie nicht immer ausreiten lassen. Die Indianer müssen nur wissen, dass es die Kavallerie gibt." Das hat man bis heute nicht nur in der Schweiz nicht vergessen. Es sind Sätze wie diese, die Steinbrück auch in Deutschland hinterherlaufen. Einen, der die Kavallerie schicken würde, den wählt man hierzulande nicht. Und einen, der die Unnahbarkeit zum persönlichen Markenzeichen gemacht hat, auch nicht. Merkel mag Fehler machen in der Europa- und Außenpolitik: Die Wähler verzeihen es ihr. Dafür lächelt die Kanzlerin viel zu nett. Und dieses Lächeln wirkt echt.

Steinbrück, der das Oberlehrerhafte kaum abstreifen kann, ist der charakterliche Gegenentwurf zu Merkel. Aber nicht etwa der bessere. Die Kanzlerin wiederum vermittelt bislang ausgezeichnet, dass sie in Europa die Zügel in der Hand hat. Dass die Mitreisenden mitten in der Krise, in voller Fahrt, den Kutscher wechseln, wäre ungewöhnlich. Zumal die SPD ja in der Europapolitik am Ende stets mit Union und FDP gestimmt hat.

Die Kritik an Merkels Doppelspiel, Europa nach vorne zu bringen und gleichzeitig im Inland die nationale Karte zu spielen, wird beim Wähler kaum verfangen. So groß ist die Europa-Euphorie in Deutschland nicht. Das Thema, mit dem Steinbrück die Kanzlerin vom Thron stoßen kann, wird er noch finden müssen.


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