Weil man ihn lässt

Trump

Von Michael Klein

Was sollte man diesem wohl immer noch mächtigsten Mann der Welt glauben? Besser nichts, denn man kann niemals sicher sein, ob sein Wort zehn Minuten später noch gilt. Ein ehrbarer Geschäftsmann war Trump ohnehin nie – das hat sich im politischen Amt nicht geändert.

Der Stand vom Mittwochabend deutscher Zeit: Trump stellt seine Aussage beim Gipfel mit Wladimir Putin, dass Russland wohl keinen Einfluss auf die US-Wahl 2016 genommen hat, als Versprecher dar – er habe das Gegenteil gemeint. Natürlich weiß jeder in Washington und außerhalb, dass dies der erbärmliche Versuch Trumps ist, seinen Hals aus der Schlinge zu befreien, die seine eigene Partei immer weiter zuzog. Denn wäre es nur ein Versprecher gewesen, dann hätte er in Helsinki nicht auch noch gesagt: „Ich werde Ihnen sagen, dass Präsident Putin in seinem Dementi heute extrem stark und kraftvoll war.“ Für diesen Satz gab es keine Korrektur.

Dies zeigt, dass Trumps Zurückrudern wiederum nur eine Momentaufnahme dieses Präsidenten ist. Und die Momente wechseln – manchmal im Minutentakt. Das eigentliche Problem ist: Trump hat keine politische Agenda, es gibt nichts, für das er verlässlich steht. Gestern: Russland hat die US-Wahl nicht beeinflusst. Heute: Russland hat die US-Wahl beeinflusst. Morgen: ?

Wofür Trump steht, ist ausschließlich er selbst. Und blickt man auf seine Vita, tun sich Abgründe auf, wenn man an Politiker den Maßstab der Redlichkeit legt. Der Gegenentwurf dazu ist Angela Merkel. Und ausgerechnet ihr will Trump einreden, dass Deutschland Russland als Feind betrachten soll, während er gleichzeitig seine Männerfreundschaft mit Putin inszeniert.

Die Republikaner, Trumps Partei, haben all das scharf gerügt. Aber eben nicht mehr. Sie halten Trump im Amt, weil sonst auch ihre Macht zerbräche. Das aber wird sie bei den anstehenden Kongresswahlen einholen.


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