Wenn Freunde Freunde ausspionieren

Standpunkt

Von Mika Beuster

Bleiben wir beim Beispiel - wie würden Sie reagieren, wenn sie herausfänden, dass einer Ihrer Freunde etwa heimlich Ihre E-Mails gelesen hat oder im Mobiltelefon Ihre Kurznachrichten durchgegangen ist?

Diese Frage müssen sich derzeit die europäischen Regierungen stellen. Denn der US-amerikanische Geheimdienst NSA hat so ziemlich alle befreundeten Länder auf genau diese Art ausspioniert. Mit Wanzen in Büros von hochrangigen Beamten und Politikern, durch das Ausspähen von Internetverkehr und das Überwachen von Telefongesprächen. Und nur durch Zufall fliegt diese Geschichte auf. Und sorgt für enorme Schockwellen in der Politik. Ebensolche, die jeder erleben würde, wenn er herausfinden würde, dass der beste Freund heimlich in den privaten Sachen herumgestöbert hat. Nur durch Zufall erfahren nun die Freunde der USA, dass sie im Auge der US-Regierun lediglich Partner "3. Klasse" sind. Nicht nur das Vertrauen ist gebrochen - durch Zufall findet man heraus, dass die angeblich ach so enge Freundschaft nur geheuchelt war. Ja - wie reagiert man da nun am besten? Genau wie im privaten Falle ist dies für die europäischen Regierungen eine harte Nuss. Terroranschläge verhindern, radikale Bestrebungen aufdecken. Das Stöbern in fremden Angelegenheiten kann ausnahmsweise angemessen sein, wenn es darum geht, Schlimmes zu verhindern. Aber das Spionieren darf nicht zum Selbstzweck werden. Dass Teile der Bundesregierung nun empört auf die Spionage-Vorfälle reagieren, ist ein richtiges Signal. Allerdings: Hoffentlich ist das kein Schuss, der nach hinten losgeht. Denn Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (FDP)- die sich an die Spitze der Empörten gestellt hat - hat selber Zugang zu den Dossiers des deutschen Dienstes BND. Es wäre doch ein arger Schlag gegen die Glaubwürdigkeit auf dieser Seite des Atlantiks, wenn die ertappten Freunde darauf aufmerksam machen, dass Deutschland ebenso in den amerikanischen Angelegenheiten herumgeschnuppert hat.


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