Zeitenwende in Frankreich

Wahlen
Von Verena Napiontek

Zumindest blieben die französischen Rechtspopulisten hinter den eigenen Erwartungen zurück. Doch enttäuschend ist, dass der große Aufschrei in der Grande Nation ausblieb, als es die Rattenfängerin Le Pen überhaupt so weit geschafft hatte. Zu sehr hat man sich im Nachbarland wohl schon an eine Radikalisierung der politischen Landschaft gewöhnt.

Das war 2002 noch ganz anders, als es der Vater von Marine Le Pen, Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen, ebenfalls in die Stichwahl geschafft hatte. Die beispiellose Mobilisierung gegen den Rechtsextremismus in Frankreich trug damals Staatspräsident Jacques Chirac zum Wahlsieg. Der rechtsradikale Jean-Marie Le Pen blieb deutlich unter 20 Prozent der Stimmen.

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Es war eine der machtvollsten Demonstrationen, die Frankreich damals vor 15 Jahren erlebt hatte. Vier Tage vor der Stichwahl zwischen dem neogaullistischen Amtsinhaber Chirac und Le Pen protestierten in ganz Frankreich mehr als eine Million Menschen gegen den Anführer der Nationalen Front. Allein in Paris zogen mehr als 250 000 Menschen durch die Innenstadt.

In 14 Tagen muss sich nun zeigen, ob auch dieses Mal eine Stimme der Vernunft siegen kann. Für Europa wäre der Sieg von Macron eine gute Nachricht. Allerdings liegt danach eine schwere Aufgabe vor dem Senkrechtstarter. Er braucht eine parlamentarische Basis und muss gegensätzliche Positionen hinter sich vereinen. Insofern wird die Parteienlandschaft in Frankreich so oder so bald nicht mehr dieselbe sein wie heute.


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