Zukunft nur im Miteinander

VON MICHAEL KLEIN

Europa ist mehr als Reisefreiheit, Städte-Partnerschaften und Urlaub am Mittelmeer - obwohl das alleine schon eine Menge wäre. Europa ist Frieden. Europa ist Demokratie. Europa ist Wohlstand. Und all das ist es nur gemeinsam. Derzeit jedoch treibt Europa eine massive Finanzkrise auseinander. Und mit ihr erwachen alte Ressentiments - bei uns wie andernorts.

Der deutsche Sparer ist erzürnt, dass er mit Niedrigzinsen still enteignet wird, während die Schuldenstaaten in Europa mit dem billigen Geld noch mehr Kredite aufnehmen können. Und der fleißige Arbeiter in Griechenland ist erzürnt, weil man ihm massiv die Rente kürzt. Beiden kann man es nicht verdenken.

Und die Krise befördert nationalistisches Denken nicht nur bei den Völkern, sondern auch bei ihren obersten Repräsentanten. Ob Angela Merkel die deutsche Finanzmentalität zum Maßstab für Europa erklärt oder François Hollande in Sachen Haushaltsdisziplin das französische Sprichwort "L’Etat, c’est moi" ("Der Staat bin ich") anwendet: Derzeit haben die wichtigsten Politiker Europas zuerst ihre eigene Nation im Blick, genauer: ihre Wähler.

Das ist mutlos angesichts der großen Amtsvorgänger - ob Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt oder François Mitterrand und Helmut Kohl. Gewiss: Sie mussten keine Euro-Staaten vor der Pleite retten. Aber sie alle hatten den Mut, Europa als Zukunftsprojekt vor den kurzfristigen Interessen ihrer Nationen zu schützen.

Wenn Europa eine Zukunft haben will, braucht es Politiker, denen es wie Hans-Dietrich Genscher Herzenssache ist zu sagen: "Europa ist und bleibt unsere Zukunft - eine andere haben wir nicht."


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