Zwangsbeglückung ist der falsche Weg

Brüsseler Anti-Tabak-Kampagne

Von Michael Klein.

Dass Rauchen ungesund ist, weiß jeder. Auch jeder Raucher. Ebenso ungesund wie zu viel Stress, Alkohol, ungesundes Essen, Übergewicht oder zu wenig Bewegung. Entscheidend ist: Rauchen ist ein Risikofaktor von vielen – für ganz bestimmte Krankheiten. Wenn es der EU-Kommission also ernst wäre mit der Gesundheitsvorsorge, dann müsste sie in ähnlicher Weise auch die anderen Gesundheitsrisiken brandmarken. Stattdessen greift sie sich ein einzelnes Risiko heraus, dessen Vermeidung den Kommissar persönlich keine Mühe kosten dürfte. Wir unterstellen, dass er Nichtraucher ist.

Aber auch die Nichtraucher-Lobby sollte überlegen, welche negativen Gesundheitsfolgen der Feldzug gegen die Raucher haben kann. Ganz aktuell lässt sich dies in Nordrhein-Westfalen beobachten, wo eine rot-grüne Landesregierung ein komplettes Rauchverbot in der Gastronomie beschlossen hat. Also auch in kleinen Eckkneipen – selbst wenn dort Gäste und Personal einhellig das Rauchen tolerieren würden. Was Rot-Grün bei dem rigorosen Verbot nicht bedacht hat: Raucher, die sich das Rauchen nicht verbieten lassen, werden es künftig in den heimischen vier Wänden tun. Und dabei dürften weitaus mehr Kinder durch Passivrauchen zu Schaden kommen als in einer Raucherkneipe, zu der diese Kinder gar keinen Zutritt hätten.

Ähnlich fern des Alltags der Menschen sind die geplanten Ekel-Verpackungen. Denn jeder Raucher weiß nicht nur, dass Rauchen ungesund ist. Er weiß auch, dass die auf den Packungen zu sehenden möglichen Gesundheitsschäden durch das Rauchen nur bei wenigen Rauchern eintreten werden.

Die Brüsseler Anti-Tabak-Kampagne ist also unseriös, denn sie suggeriert: Die abgebildeten Krankheiten sind die Folgen, wenn man raucht. Statt wie die Brüsseler EU-Kommission oder Rot-Grün in NRW die Menschen zwangsbeglücken zu wollen, wäre stattdessen die sachliche Information über die Folgen eines ungesunden Lebensstils der nachhaltigste Weg zu mehr Gesundheit.

 


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