Zwei mutige Schritte

VON KIRSTEN OHLWEIN

Jolie hat ihre Prominenz eindrucksvoll genutzt, hat höchst Privates öffentlich gemacht, um Frauen - und auch Männer - aufzurütteln. Damit hilft sie allen Frauen, die an Brustkrebs leiden. Sie hilft allen, die sich die Brüste entfernen lassen mussten und müssen und all jenen, die bereits Implantate haben. Dieser Gang an die Öffentlichkeit ist kein Werbetrick, sondern soll insbesondere Frauen aufrütteln.

Jolie ist nicht die erste Prominente, die sich aus Angst vor Krebs das Gewebe aus der Brustdrüse hat entfernen lassen. Aber sie ist die, der man es am wenigsten zugetraut hätte. Jolie macht damit klar, dass auch sie - die schöne Ikone, Übermutter und scheinbar perfekte Frau - keinen makellosen Körper hat. Sie ist bewusst an die Öffentlichkeit gegangen. Sie hätte sich nicht offenbaren müssen. Sie hätte in aller Stille die Operation vornehmen und sich auskurieren können. Sie hätte niemandem mitteilen müssen, dass sie Trägerin des Brustkrebs-Gens BrCa1 ist - ein Gen, das das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs drastisch erhöht. Schon ihre Mutter litt zehn Jahre an Brustkrebs und starb daran.

Jolie will erkrankte Frauen, oder diejenigen, die ein erhöhtes Risiko in sich tragen, nicht auffordern, sich ebenfalls die Brüste entfernen zu lassen. Sie will nur all diesen Frauen sagen, dass sie - gerade, wenn sie erblich vorbelastet sind - jede Chance nutzen sollen, um Experten aufzusuchen. Sie sollen ihr eigenes Risiko bewerten lassen, um dann "ihre eigene informierte Entscheidung zu treffen" und sie sollen keine Angst haben. Das hat sie mit diesen beiden mutigen Schritten - Operation und Veröffentlichung - geschafft. Und ihr Mut macht anderen Mut.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2013
Mehr zum Thema
Kommentare (0)
Mehr aus Standpunkte Hessen und Welt