Tote bei Eskalation nach Rassisten-Demo in den USA

Kritik an Trump-Reaktion
Attacke auf Gegendemonstranten
Ein Auto rast in Charlottesville in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Foto: Ryan M. Kelly/The Daily Progress
Demonstration von Rechtsextremisten
Demonstranten geraten in Charlottesville (USA) aneinander. Bei einer Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis im US-Bundesstaat Virginia ist es zu gewalttätigen Auseinadersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. Foto: Go Nakamura
Angriff
Der Moment dert Attacke: Ein Auto schleudert in Charlottesville Demonstranten in die Luft. Foto: Ryan M. Kelly/The Daily Progress
Tatfahrzeug
Das Tatfahrzeug dreht um, nachdem es in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren war. Foto: Ryan M. Kelly/The Daily Progress
Unfallort
Polizisten sperren den Unfallort ab, an dem ein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren war. Foto: Steve Helber
Erste Hilfe
Erste Hilfe: In Charlottesville war ein Auto am Rande einer Kundgebung von Rechtsextremisten in eine Gruppen von Gegendemonstranten gerast. Foto: Steve Helber
Verletzte
Rettungskräfte transportieren eine verletzte Frau aus dem Gefahrenbereich. Ein Auto war in Charlottesville in eine Gruppen von Demonstranten gerast. Foto: Steve Helber
Demonstration von Rechtsextremisten
Demonstranten geraten in Charlottesville aneinander: Bei einer Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis im kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Foto: Steve Helber
Gegendemonstranten
Ein Gegendemonstrant schüttet einem Mitdemonstranten, der Pfefferspray ins Gesicht bekommen hat, Wasser ins Gesicht. Foto: Steve Helber
Rechtsextremisten
Rechtsextremistische ziehen durch die Straßen von Charlottesville. Foto: Steve Helber
Rechtsextremisten
Rechtsextremistische Demonstranten versammeln sich in Charlottesville. Nach Gewaltausbrüchen wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Foto: Steve Helber
Polizeieinsatz
Polizisten bewachen nach den Gewalttätigkeiten in Charlottesville den Eingang zum Lee Park, wo eine Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis stattfand. Foto: Steve Helber
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Der Fahrer, ein 20-jähriger Mann aus Ohio, wurde festgenommen. Zuvor hatten sich Kundgebungsteilnehmer Schlägereien mit Gegendemonstranten geliefert. US-Präsident Donald Trump wurde für seine Reaktion auf die Gewalt am Sonntag heftig kritisiert - auch aus der eigenen Partei.

Insgesamt wurden in Charlottesville 35 Menschen verletzt, 19 davon bei dem Autovorfall. Nach CNN-Angaben waren in der Nacht zum Sonntag fünf von ihnen in kritischem Zustand und vier weitere schwer verletzt. Die US-Bundespolizei FBI nahm Ermittlungen auf. Dem Fahrer werden Totschlag, Körperverletzung und Fahrerflucht vorgeworfen. Nach CNN-Angaben wurden am Samstag drei weitere Männer im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen festgenommen.

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Zwei Polizisten kamen außerdem bei Charlottesville beim Absturz ihres Hubschraubers ums Leben, der die Zusammenstöße aus der Luft beobachtet hatte. Die Absturzursache war zunächst nicht bekannt.

Trump verurteilte zwar die «ungeheuerliche Gewalt», erwähnte dabei die Kundgebung der Rechtsextremen aber nicht direkt. Stattdessen sprach er pauschal von «Gewalt von vielen Seiten». Dafür hagelte es heftige Kritik. «Mr. President - wir müssen das Böse beim Namen nennen. Dies waren weiße Rassisten und dies war einheimischer Terrorismus», schrieb der republikanische Senator Cory Gardner.

«Es ist sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse in Charlottesville als das beschreibt, was sie sind, ein Terroranschlag weißer Rassisten», schrieb der republikanische Senator Marco Rubio.

Trumps Tochter Ivanka schrieb auf Twitter: «In der Gesellschaft sollte kein Platz für Rassismus, weiße Vormachtstellung und Neonazis sein.»

Ein namentlich nicht genannter Sprecher des Weißen Hauses veröffentlichte etwas später eine Erklärung, in der es hieß, Trump habe am Samstag «sehr stark» alle Formen von Gewalt, Bigotterie und Hass verurteilt. «Natürlich schließt das weiße Rassisten, KKK (Ku Klux Klan), Neonazis und alle Extremisten-Gruppen ein.»

Der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, erklärte den Notstand und richtete eine äußerst scharf formulierte Botschaft an die Rechtsextremisten. «Ihr seid hier nicht willkommen», sagte er auf einer Pressekonferenz. «Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gibt hier keinen Platz für euch, und es gibt keinen Platz für euch in Amerika.»

An der Kundgebung unter dem Motto «Vereinigt die Rechte» hatten schätzungsweise mehrere Tausend Menschen aus verschiedenen ultrarechten Gruppen teilgenommen, so Angehörige der Alt-Right-Bewegung, Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhänger. Unter ihren war auch der ehemalige Ku-Klux-Klan-Führer David Duke. Einige Demonstranten skandierten CNN zufolge Nazi-Slogans wie «Blut und Boden».

Anlass der Demonstration war ein Stadtratsbeschluss, eine Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) zu entfernen. Die zwei Autostunden südwestlich von Washington gelegene Stadt gilt als Hochburg der US-Demokraten, nach CNN-Angaben stimmten dort bei der Präsidentenwahl 80 Prozent für Trumps demokratische Herausforderin Hillary Clinton. Die Konföderierten (Südstaaten) hatten für den Fortbestand der Sklaverei gekämpft.

Duke wurde auf einem vom «Indianapolis Star» geposteten Video gezeigt wie er sagte, die Demonstranten wollten sich «unser Land zurückholen». Damit wollten sie «die Versprechen von Donald Trump erfüllen».

Nach Fernseh- und Augenzeugenberichten waren mehrere Kundgebungsteilnehmer mit Baseballschlägern gekommen. Schon Stunden vor der Veranstaltung kam es zu heftigen Prügeleien mit Gegendemonstranten. Die mutmaßlich gezielte Autoattacke ereignete sich nach Medienberichten, als ein Großteil der Kundgebungsteilnehmer bereits abgezogen war und die Gegendemonstranten einen eigenen Protestzug bildeten. Der Fahrer raste danach im Rückwärtsgang davon und wurde kurz darauf festgenommen.

Trump äußerte sich nach einem ersten allgemeinen verurteilenden Tweet bei einem Auftritt an seinem Urlaubsort in Bedminister (New Jersey). Es gebe in Amerika «keinen Platz» für Gewaltausbrüche wie den in Charlottesville, sagte er, ohne in Einzelheiten zu gehen. Er rief seine Landsleute dazu auf, zusammenzustehen und einander - ungeachtet aller Differenzen - «zu lieben». Sein Vorgänger Barack Obama schrieb auf Twitter: «Niemand wird mit Hass auf eine andere Person wegen ihrer Hautfarbe, ihres Hintergrunds oder ihrer Religion geboren.»

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