19 000 Kräfte fehlen

Bildung  Lücke erreicht Rekordhoch in Hessen / Arbeitgeber fordern intensive Berufsorientierung und mehr MINT-Bildung an Schulen

Den im April rund 30 000 offenen Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten in MINT-Berufen stehen dem Bericht zufolge nur knapp 11 000 Arbeitssuchende mit entsprechenden Qualifikationen gegenüber. „Schon rechnerisch lässt sich dieser Engpass nicht schließen, selbst wenn die Arbeitssuchenden und die offenen Stellen miteinander kompatibel wären“, kommentierte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), den wachsenden Bedarf der Wirtschaft.

Anteil ausländischer Beschäftigter ist hoch

Weil zum Beispiel ein im hessischen Süden gesuchter Mechatroniker kaum durch einen nordhessischen Biologen ersetzt werden könne, sei die bereinigte Arbeitskräftelücke in den MINT-Berufen mangels Passgenauigkeit von Angeboten und Nachfragen noch deutlich größer, so der VhU-Hauptgeschäftsführer.

„Durch die zunehmende Digitalisierung unternehmerischer Geschäftsprozesse steigt die Nachfrage nach MINT-Fachkräften ebenfalls und zusätzlich an“, betonte Pollert einen weiteren Engpassfaktor. Bei Informatikern und IT-Fachkräften sei die Fachkräftelücke besonders stark gewachsen. Immerhin trügen in Hessen schon überdurchschnittlich viele ausländische Arbeitnehmer zur MINT-Fachkräftesicherung bei.

Der Anteil ausländischer Beschäftigter liege nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit und des IW in Hessen bei 10,8 Prozent und betrage damit zwei Prozentpunkte mehr als der Bundesdurchschnitt.

Erwartungen an Schulpolitik

Der VhU-Hauptgeschäftsführer sieht eine Stärkung der schulischen MINT-Bildung als eine besonders langfristig wesentliche Komponente der Nachwuchssicherung. „Ebenso wichtig ist eine zielführende Berufsorientierung, um die Chancen einer dualen Ausbildung für junge Menschen zu verdeutlichen“, forderte Pollert. Für dual ausgebildete MINT-Fachkräfte übertreffe die Arbeitskräftenachfrage – also die offenen Stellen – im April 2018 das Arbeitskräfteangebot in Hessen um 153 Prozent.

Auch Meister, Techniker und Akademiker in MINT-Berufen hätten dem IW-Gutachten zufolge derzeit hervorragende Chancen auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Diese gravierende Arbeitskräftelücke zeige sich ebenso auf dem Ausbildungsmarkt. Die VhU erwartet deshalb von der Schulpolitik, dass die Lücke systematisch durch eine frühzeitige schulische Berufsorientierung und MINT-Bildung in Verbindung mit der Stärkung digitaler Kompetenzen besser abgefedert wird. (red)


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