Blick in den Job auf dem Weg zum Abi

Bildung  Berufliche Gymnasien sind zunehmend gefragt / Inhalte aus der Arbeitswelt gehören dazu

Andrang beim Aktionstag des Beruflichen Gymnasiums an der Wilhelm-Knapp-Schule Weilburg. (Foto: privat)
Sven Pausch (r.) informierte in Wetzlar über die THM, Gerhard Keller moderierte. (Foto: privat)
Nachgefragt: Die Schülerzahlen an den Beruflichen Gymnasien der Region wachsen seit einigen Jahren deutlich. (Archivfoto: Weigel, dpa)
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Die Zeiten, in denen nur ein kleiner Teil der Schüler das Gymnasium besuchte, dann Abitur machte und nahezu ausnahmslos studierte, sind lange vorbei. 2,3 Millionen Schüler bundesweit gingen nach Angaben des statistischen Bundesamts im Schuljahr 2016/2017 auf Gymnasien. Sieht man vom Anteil der Grundschüler ab, entfiel damit der größte Teil aller Schüler auf diese Schulform. 354 000 Absolventen legten 2016 ihr Abitur ab.

Spätestens am Ende der Mittelstufe stehen viele Schüler vor der Frage, wie es weitergeht. Mittlere Reife und Ausbildung? Klassisches Abitur und Studium? Berufliche Gymnasien bieten die Verbindung von allgemeiner Hochschulreife und praktischer Berufsvorbereitung. Mit Erfolg: Allein die Beruflichen Gymnasien im Lahn-Dill-Kreis haben in den vergangenen zehn Jahren ein Anwachsen der Schülerzahlen um 41 Prozent verzeichnet, weiß Dr. Friedhelm Schmieding, Abteilungsleiter des Beruflichen Gymnasiums an der Theodor-Heuss-Schule Wetzlar. Jeder dritte Oberstufenschüler mache sein Abi an einem Beruflichen Gymnasium.

Die Besonderheit: Hier gibt es Schwerpunkte, die den Schülern praktische und wissenschaftliche Inhalte aus Bereichen vermitteln, die später in Berufsausbildung und Studium von Bedeutung sind. Im Lahn-Dill-Kreis und dem Kreis Limburg-Weilburg gehören dazu etwa Bau-, Elektro- und Datenverarbeitungstechnik, Ernährung, Gesundheit, Maschinenbau, Mechatronik, Pädagogik, Technische Informatik, Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft.

Wer das Abitur am Beruflichen Gymnasium ablegt, hat alle Möglichkeiten an Uni und Hochschule

Wer den Abschluss des Beruflichen Gymnasiums für ein „Abi zweiter Klasse“ hält, der irrt: „Mit einem am Beruflichen Gymnasium erworbenen Abitur kann unabhängig von der gewählten Fachrichtung grundsätzlich jedes Fach an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen studiert werden“, erklärt Schmieding.

Das Berufliche Gymnasium ist neben der klassischen, gymnasialen Oberstufe der zweite Weg zum Abi. Der Unterricht am Beruflichen Gymnasium erfolgt nach den gleichen Lehrplänen wie an der klassischen Oberstufe, auch die zentralen Abiturprüfungen seien identisch.

Aber: Wer am Beruflichen Gymnasium lernt, bekomme zusätzlich Qualifikationen vermittelt, die für Beruf und Studium wichtig seien, erklärt Schmieding: Neben Gymnasiallehrern halten Berufsschullehrer den Unterricht und bringen Erfahrungen aus der Arbeitswelt ein. Schwerpunkte seien beispielsweise selbstständiges Arbeiten, Teamfähigkeit und Kommunikationskompetenz, es gebe außerdem vielfältige Kontakte zu Unternehmen und Hochschulen.

Johanna Salome Loh lobt genau das. Sie besucht im zweiten Jahr das Berufliche Gymnasium an der Theodor-Heuss-Schule in Wetzlar und hat sich für den Schwerpunkt Gesundheit entschieden. Die Spezialisierung trage dazu bei, fürs Leben zu lernen, sagt sie.

Jessica Sauerwald nutzte das Berufliche Gymnasium an der „Theo“ in Wetzlar für einen Neustart: Sie entschied sich nach der Mittelstufe erst für die gymnasiale Oberstufe, machte nach verschiedenen Schwierigkeiten dann aber den Schritt aufs Berufliche Gymnasium, Schwerpunkt: Wirtschaft bilingual. Bestimmte Inhalte im Unterricht werden auf Englisch vermittelt. Jessica Sauerwald findet das super – es sei ihr Lieblingsfach.

Sven Pausch bestätigt die guten Erfahrungen. Er hat einst an der Theodor-Heuss-Schule Abi am Beruflichen Gymnasium gemacht, danach im dualen Studium berufliche Ausbildung mit Hochschulstudium verbunden. Heute ist er beim Wetzlarer Reiseunternehmen Gimmler beschäftigt und gleichzeitig Botschafter für das duale Studium an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Für die Schüler des Beruflichen Gymnasiums an der „Theo“ gab Pausch jetzt Eindrücke und Erfahrungen weiter.

Anlass war der „Tag des Beruflichen Gymnasiums“, an dem sich unter dem Motto „Das Abitur mit dem Plus“ mittelhessenweit auch die Werner-von-Siemens-Schule in Wetzlar, die Kaufmännischen Schulen in Dillenburg, die Wilhelm-Knapp-Schule in Weilburg und die Adolf-Reichwein-Schule in Limburg beteiligten, um Schüler und Eltern über das Berufliche Gymnasium zu informieren.

Vom Verwaltungsberuf übers Lehramtsstudium bis zur Luft- und Raumfahrtechnik reichen die beruflichen Wege, die die Absolventen der Wilhelm-Knapp-Schule eingeschlagen haben. Auch hier berichteten Ehemalige von ihren Erfahrungen und standen für Fragen zur Verfügung. An den Kaufmännischen Schulen in Dillenburg war ein Roboter am Aktionstag der Hingucker, den Schüler mit dem Schwerpunkt „Technische Informatik“ in Zusammenarbeit mit einem heimischen Unternehmen vorführten – Programmierung inklusive.

Die Limburger Adolf-Reichwein-Schule lädt für Freitag (16. Februar) zum Tag des Beruflichen Gymnasiums ein. Zum dritten Mal werden ehemalige Schüler während einer „Messe für Gesundheit und Soziales“ über ihren Werdegang berichten, außerdem sind Vertreter von Ausbildungsbetrieben und Hochschulen dabei.


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