Die digitale Ära kommt: Mittelhessen, uffbasse!

Statistik Wissenswirtschaft muss wachsen / Forschungsintensive Industrien sind gefragt / Nachwuchs mit höheren Schulabschlüssen

Wenn die Experten von PricewaterhouseCooper (PwC) ihre Standortergebnisse vortragen, wie geschehen für die Verlagsgruppe Rhein-Main (VRM), dann geschieht dies mit Klarheit und Respekt: Respekt für die Leistungen, die an den einzelnen Wirtschaftsstandorten erbracht worden sind, und Klarheit über die Potenziale und die Entwicklungsschwächen, an denen zu arbeiten sein wird.

Beides ist in Mittelhessen zu entdecken. Die Region verfügt, anders als andere Regionen in Hessen und Deutschland, über einen starken, gesunden Kern industrieller Produktion. 33 Prozent der Unternehmen zählen sich hier zum verarbeitenden Gewerbe, dazu kommen nochmals 16,4 Prozent Handel, Verkehr und Kommunikation. Hier brummt der Motor der Wertschöpfung (Grafik oben).

Daneben stehen aber andere Zahlen: Zum Beispiel die, dass die Zunahme der Beschäftigung im Lahn-Dill-Kreis steigt (2010 2017: 10 Prozent), aber nicht so schnell wie in Hessen insgesamt (14,7 Prozent) und in Darmstadt (15,9 Prozent) im Besonderen. Auch die Gründerintensität – natürlich, was für ein Wunder bei dem Arbeitsmarkt – ist im Lahn-Dill-Kreis schwach (unter 6 Prozent).

Soweit ein paar wirtschaftliche Indikatoren. Kommen wir zu den eher weicheren, aber ebenso wichtigen sozialen Indikatoren. Klar, dass der ländliche Raum die volle Wucht des demografischen Wandels zu spüren bekommt. Da die Urbanisierung als großer Trend anhält, sind die Verschiebungen bis 2030, nach Berechnungen der PwC-Strategen, sehr hart: Überdurchschnittlicher Bedarf an Pflegeplätzen und auch -personal, immer noch Bedarf an Ganztages- und U3-Kinderbetreuungsplätzen und eine allgemeine Abnahme der Bevölkerung in LDK (-7,1 Prozent) und auch Gießen (-2,6 Prozent) sind Kennzeichen der Entwicklung.

Da muss man „uffbasse“!, dass hohe verfügbare Einkommen erwirtschaftet werden – Gießen 20 157 Euro, Lahn-Dill-Kreis 22 602 Euro (2015, verfügbares Einkommen pro Kopf) –, muss in Zukunft klar verteidigt werden.

Wie? Die Experten der Strategieberatung haben da einen Indikator in ihrem Instrumentenkoffer: Wie hoch ist die digitale Kompetenz in der Region? Wächst die Wissenswirtschaft?

Und in dieser Frage steht die Wirtschaft an Lahn und Dill gut da: Mitte 2017 kamen wissensintensive Industrien und Dienstleistungen auf einen Anteil an der Beschäftigung von ca. 33 Prozent; forschungsintensive Industrien kamen auf einen guten Wert von etwa 18 Prozent – damit zieht der Standort Mittelhessen mit Darmstadt gleich.

Nachwuchs gut ausbilden!

Ein Problem bleibt: Im Vergleich zu den Metropolen kommen deutlich weniger Schüler in der Wirtschaft an (Gießen und Lahn-Dill-Kreis minus 21 Prozent, 2010 - 2015). Und ein gut gebildeter Nachwuchs mit höheren Schulabschlüssen ist nun mal die Voraussetzung für eine digitale Entwicklung, diagnostiziert PwC.

Das ist eine Aufgabe, die alle gesellschaftlichen Akteure fordere, und die auch nur gemeinsam bewältigt werden kann, so PwC.


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