Duktus droht, den Stecker zu ziehen

EEG-UMLAGE 1,5 Millionen Euro Mehrkosten gefährden den Standort Wetzlar

Ziehen beim Kampf gegen die EEG-Reform an einem Strang: Duktus-Geschäftsführer Stefan Weber (l.) und Betriebsratschef Hartmut Weber (nicht verwandt). (Foto: Gross)

Aus seinem Bürofenster blickt Stefan Weber auf die Windräder am Horizont. "Wir sind nicht gegen Erneuerbare Energien," versichert er, "sie müssen aber bezahlbar sein." Für Duktus wird es dem Geschäftsführer zufolge eindeutig zu teuer. Wenn alles so kommt, wie die Bundesregierung es mit ihrer Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes plant, geht es laut Stefan Weber um 5000 Euro Mehrkosten pro Mitarbeiter und Jahr. Ausgerechnet der bislang größte Auftrag in der Firmengeschichte trägt daran eine Mitschuld.

Das Problem im Einzelnen: Noch vor einigen Wochen hatte man bei Duktus fest mit einer Entlastung von der EEG-Umlage für 2015 gerechnet. Um sich eine Entlastung sichern zu können, die für Fairness und Wettbewerb sorgen soll, mussten Industriebetriebe bislang einen Stromkostenanteil von mindestens 14 Prozent an der Bruttowertschöpfung nachweisen. Nach der Reform sollen ab 2015 nur noch Betriebe entlastet werden, die einen Anteil von 16 Prozent aufweisen, ab 2016 dann 17 Prozent. Duktus mit einem Stromkostenanteil von derzeit rund 14 Prozent kann somit Hoffnungen auf künftige Entlastungen begraben.

Stefan Weber ist sauer über die starren Grenzwerte: "Die Politik will offenbar lieber die 23 Milliarden Euro jährliche Subventionen für Betreiber von Windrädern, Photovoltaik- und Biomasseanlagen sowie die Stromrechnungen der Privathaushalte schützen, statt die Arbeitsplätze in stromintensiven Betrieben wie Duktus." "Kurzsichtig" findet der Duktus-Chef das, schließlich versetzten Arbeitsplätze die Bürger erst in die Lage, ihre Stromrechnungen zu bezahlen.

Im Jahr 2013 war Duktus von der EEG-Umlage entlastet, weil der Stromkostenanteil im Unternehmen im dafür relevanten Jahr 2011 14,4 Prozehnt betragen hatte. 2014 dagegen gab es keine Entlastung. Ausschlaggebend war ein einmaliger Großauftrag aus Kuwait über die Lieferung von 20 Kilometern Wasserrohre für 35 Millionen Euro im Jahr 2012. Durch ihn schmolz der Stromkostenanteil im besagten Jahr auf "nur" noch 12,8 Prozent der Bruttowertschöpfung. Die "Strafe" folgte auf dem Fuße: 2014 liegen die Stromkosten bei Duktus um 1,5 Millionen Euro über denen des Vorjahres. Diesmal könne das Unternehmen die Mehrkosten noch "mit Ach und Krach" stemmen, so Stefan Weber. Doch billiger wird der Strom auch künftig nicht, denn für Duktus kommt es noch dicker: Weil der Rohrspezialist aus Wetzlar 2014 nicht entlastet wurde, kommt er auch nicht für die neue Härtefallregelung in Frage, die den Strompreisschock für die in 2014 befreiten Unternehmen mildern soll. Nur für sie soll die Umlage in verträglichen Schritten bis 2020 steigen.

Die harte Einstiegsschwelle von 14, 16 oder 17 Prozent führt laut Stefan Weber zu der "grotesken Situation, dass Betriebe belohnt werden, die nicht wie Duktus in Energieeffizienz investieren, sondern ihren Stromverbrauch im Zweifel sogar durch bewusste Verschwendung erhöhen". Genauso könne es auch sinnvoll sein, die Stammbelegschaft durch Zeitarbeiter zu ersetzen, um die Bruttowertschöpfung durch geringere Lohnkosten klein zu rechnen. Weber: "Damit setzt dass EEG Anreize für verantwortungsloses unternehmerisches Handeln."

Einen gleitenden Einstieg in die Entlastungen fände Stefan Weber, der auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Hessenmetall in Mittelhessen ist, "viel sinnvoller". Dieser würde auch den Wettbewerbsnachteilen Rechnung tragen, "die ja nicht schlagartig bei 14, 16 oder 17 Prozent entstehen".

Weder in der Bundes- noch in der Landespolitik fand der Verband hessischer Unternehmer (VhU) mit der Idee vom "gleitenden Einstieg" in die EEG-Entlastung Unterstützer, berichtet Vladimir von Schnurbein, VhU-Referent für Energiepolitik. Auch auf Briefe von Duktus-Geschäftsführung und -Betriebsrat an Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker, in denen sie den abschreckenden "Extremfall" aus Wetzlar schilderten, blieben unbeantwortet. Einzig die FDP bot ihre Hilfe an.

Das offensichtliche Desinteresse von CDU, SPD und Grünen schockt Duktus-Betriebsratschef Hartmut Weber. Bis vor Kurzem habe bei Duktus ein gutes Betriebsklima geherrscht, die Mitarbeiter seien gerne zur Arbeit gekommen. Jetzt seien sie verunsichert, hätten Angst vor Arbeitslosigkeit. Hartmut Weber: "Wir fordern ein Bekenntnis zu Industriearbeitsplätzen."

Keine Hoffnung mehr auf eine Einsicht in letzter Sekunde

An eine Einsicht des Gesetzgebers in letzter Sekunde glaubt Geschäftsführer Stefan Weber nicht mehr. Eine erste Folge aus der EEG-Reform ist für ihn schon jetzt klar: Durch die Mehrbelastung könne Duktus sein jährliches Investitionsvolumen von rund 2,5 Millionen Euro nicht länger halten. "Wir werden Wetzlar nicht weiter ausbauen - das Thema ist gestorben", sagte Stefan Weber, der auch über das Outsourcen von Teilbereichen nachdenkt. 60 Mitarbeiter müsste er "rausnehmen", um die Mehrbelastung "aufzufangen". Doch das möchte er eigentlich genauso wenig, wie den Stromverbrauch künstlich in die Höhe treiben oder wenig effizient eigenen Strom erzeugen, für den obendrein 40 Prozent Eigenstrom-Umlage fällig würden.

Für den Fall, dass nicht spätestens 2015 mit der dann nach Meinung des Duktus-Chefs fälligen nächsten EEG-Reform eine Nachbesserung der Härtefallregelung und ein geleitender Einstieg in die EEG-Entlastung kommen, sieht er die Lichter nach jahrhundertelanger Eisengießertradition in Wetzlar ausgehen. "Ganz oder gar nicht", sagt Stefan Weber. Entweder die Politik komme zur Einsicht oder "wir hören auf in Wetzlar, weil es sich nicht mehr rechnet". Alleine Unternehmensteile ins Ausland abzugeben, schließt er aus.


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Kommentare (1)
EEG ist grünes Glaubensbekenntnis und Glaubensbekenntnisse verstehen Kritik als Gotteslästerung!
Das zeigt auch, dass bis jetzt kein Kommentar erschienen ist.

Das EEG2000 begann mit einer Lüge, indem man durch eine mehr
getürkte Prognose die Mehrkosten mit 0,15 Pfg/kWh schöngerechnet hat, obwohl schon damals 10 Pfg./kWh absehbar waren!
Mit der Erfindung der EEG-Umlage wird das dt. Recht missachtet, da "Verträge zu Lasten Dritter (sind) mit der Privatautonomie grundsätzlich nicht vereinbar" sind (http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_zu_Lasten_Dritter).
Schön wäre es außerdem, wenn es nur 23 Mrd./Jahr wären, den in den Netzkosten ist noch mal Aufwand in der gleichen Größenordnung versteckt! Ein mehr an Leitungen, und deren Verstärkung, da die Windleistung abgeführt werden muss. Mehr auch wegen der notwendigen stärkeren Vernetzung wegen dezentraler Stromerzeugung. Und letztendlich die Aufwendungen für die Ausregelung der fluktuierenden Einspeisungen.
Eigentlich ist der Umweltschutz und damit die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien Staatsaufgabe und durch den Staat auchzu finanzieren, da aber 23 Mrd. fast 1/10 der gesamten Steuereinnahmen sind, hält ich da die Regierung raus, obwohl sie sonst immer nur von Sparen redet. Sollen mal die anderen sparen!
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