Mein Kollege, der Computer

Digitalisierung

Michael Frantz, der Pressesprecher der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, erklärt einer Kundin, was der neue „ Mitarbeiter“ Numi leistet - zumindest so lange der Strom fließt. (Foto: Röder)

Die Zeiten, in denen man morgens an die Arbeit kommt und der Kollege bereits Kaffee gekocht hat, könnten bald vorbei sein. Laut des aktuellen Kurzberichts des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind ein Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland durch einen Computer ersetzbar.

Studie besagt: Ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland ist durch Computer ersetzbar

Das entspricht 7,9 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Das IAB beruft sich auf Zahlen aus dem Jahr 2016. Demnach liegt das „Substituierbarkeitspotenzial“ in Deutschland bei 25,2 Prozent. Hessen rangiert leicht unter dem Bundesschnitt bei 23,5 Prozent. Zum Vergleich: In dem Bericht aus 2014 lag die Bundesquote noch bei 15 Prozent – was 4,4 Millionen Beschäftigte bedeutet – und die Hessenquote bei 13,1 Prozent.

„Das ist ein massiver Zuwachs“, sagt Ulf Immelt, der Organisationssekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund Mittelhessen. Ob ein Beruf „substituiert“ werden kann, ist abhängig davon, wie viele „Kerntätigkeiten“ des Jobs auch von computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnten. Liegt der Anteil der Arbeiten bei mehr als 70 Prozent gehen die Forscher davon aus, dass der Beschäftigte auch durch einen Computer ersetzt werden könnte.

„Das heißt nicht, dass Arbeitsplätze dann automatisch verschwinden. Es ist aber möglich“, sagt Immelt. Bundesweit ist ein deutlicher Anstieg des „Potenzials“ erkennbar. In allen Ländern ist die Quote seit 2014 gestiegen.

Die Extreme bilden Berlin mit 14,6 Prozent und das Saarland mit 30 Prozent. Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern haben mit der jeweiligen Branchenstruktur zu tun. Beispielsweise ist der Anteil des verarbeitenden Gewerbes in Berlin deutlich geringer als im Saarland. Die Branche wies 2016 laut IAB das größte „Substituierbarkeitspotenzial“ aller Sparten auf. 53,7 Prozent der Beschäftigten innerhalb dieser Branche seien demnach ersetzbar.

Ulf Immelt fordert eine klare Strategie für die Digitalisierung der Arbeitswelt

Aus diesem Grund geht Immelt davon aus, dass das „Potenzial“ des Landkreises deutlich über dem Bundes- und Landesschnitt liegt. „Es spricht viel dafür, dass die Quote im Landkreis weiter gestiegen ist“, sagt Immelt.

Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes innerhalb der Branchenstruktur des Landkreises beträgt 30,8 Prozent. Dies geht aus einer Statistik der Arbeitsagentur hervor.

Zur Einordnung: Im Bund liegt der Anteil im Schnitt bei 21,5 Prozent. Schon 2014 lag das „Substituierbarkeitspotenzial“ Marburg-Biedenkopfs deutlich über dem des Bundes sowie des Landes. Es betrug 21,3 Prozent. Nach dem verarbeitenden Gewerbe weisen der Bergbau (48,2 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (47,9) die höchsten „Potenziale“ auf. Laut Immelt seien im Landkreis vor allem Metallbauer und Bürokaufleute von der Entwicklung betroffen. Um dem Trend entgegenzuwirken, fordert Immelt eine Digitalisierungsstrategie für die Region. Dazu müssten neben den Arbeitgebern und der Politik auch die Gewerkschaften berücksichtigt werden. „Die Frage, was ein Betrieb ist und was alles dazu gehört, muss neu verhandelt werden“, sagt Immelt. Des Weiteren wünscht er sich bessere Weiterbildungschancen und mehr Mitbestimmung für die Arbeitnehmer. Eine Studie besage zwar, dass sich in der Summe der Berufe nicht viel verändern würde. Es würden aber vor allem die Jobs verschwinden, in denen die Gewerkschaften noch stark sind, sagt Immelt. Allein im IG-Metall-Bezirk Herborn, zu dem die Altkreise Biedenkopf und Dillenburg gehören, würden 1 300 Arbeitsplätze bis 2019 wegfallen, sagt er.


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