Moritz Bleibtreu über Kino von, mit und für Immigranten

Sohn einer «Punkrockerin»
Moritz Bleibtreu
Der Schauspieler Moritz Bleibtreu dreht zwei Filme, die im kriminellen Migrantenmilieu angesiedelt sind. Foto: Patrick Seeger

Beide Streifen, die 2018 ins Kino kommen, spielen im kriminellen Migrantenmilieu in Deutschland. «Wir erzählen von der Minderheit mit der Minderheit für die Minderheit, also, es ist Kino von Immigranten mit Immigranten für Immigranten in Deutschland.»

Bleibtreu wuchs im damals stark von Einwanderern geprägten Hamburger Stadtteil St. Georg auf. Weil er den Lebensstil seiner Mutter, der 2009 gestorbenen Schauspielerin Monica Bleibtreu, als «Punkrockerin» ablehnte, habe er sich als Kind den Familien seiner türkischen Nachbarskinder zugewandt, erzählte er in dem Interview. «Der Deutsche oder der Kanake - ich habe mich damals für die andere Seite entschieden. Während ich mit meinen türkischen Jungs aufwuchs, lehnte ich die konventionellen deutschen Familien ab.»

Über seine neuen Filme sagte er weiter: «Dieses Kino transportiert auch ein Ideal von Familie und Zusammenhalt, das in unserer Gesellschaft etwas verloren gegangen ist.» Die Regeln und Gesetze des migrantischen Milieus seien sehr direkt. Begriffe wie Ehre, Würde und Stolz hätten eine konkrete Bedeutung. Den Vorwurf, dass seine Filme frauenfeindlich seien, weist er jedoch zurück: «Es ist halt wirklich ein vollkommener Quatsch.» Das Frauenbild von Einwanderern aus dem Irak, aus Kurdistan oder der Türkei sei zwar ein gänzlich anderes, aber deshalb nicht frauenfeindlich. «So einfach ist das nicht.»


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