Luzie erobert die Herzen im Sturm

Von Andreas Böttig

Luzie hat ein Zuhause bei Hans Lang. Foto: Jürgen Vetter

WEILBURG - Es klopft jetzt öfter an der Bürotür von Hans Lang am Forstlichen Bildungszentrum (FBZ) in Weilburg. "Dürfen wir Luzie sehen?", lautet die immer wieder gleiche Frage.

Mit tapsigen Schritten läuft die kleine Luzie durch das Büro des Bereichsleiters für Bildung am FBZ, schnuppert herum, versucht an einem Stuhl hochzuklettern. Dabei wird sie vom Forstdirektor und seiner Jagdhündin Xana, einem Bayerischen Gebirgsschweißhund, beobachtet.

Jäger findet das
Jungtier am Straßenrand

Luzie ist eine etwa drei Wochen alte Wildkatze, die am Straßenrand der B 456 im Wald, wenige Kilometer von Ernsthausen entfernt, von einem Jäger gefunden wurde. Inzwischen ist sie der absolute Liebling am Forstlichen Bildungszentrum.

Als Hans-Otto Müller vor einer Woche in der Nähe der Straße entlangging, hörte er das ständige Rufen und Miauen. Dann sah er das kleine Jungtier unsicher tapsend in den Brombeeren am Straßenrand. Zunächst beobachtete der erfahrene Waidmann das Tier aus sicherer Entfernung - in der Hoffnung, dass die Mutter bald wieder zu dem Katzenbaby zurückkehren würde. Doch als sich nach langer Zeit nichts tat, musste er davon ausgehen, dass das Muttertier aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr lebte.

Um das Jungtier vor dem sicheren Hungertod oder der Gefahr durch die vorüberfahrenden Autos zu retten, nahm er es mit, meldete sich beim Forstamt, das üblicherweise die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Wildtieren ist. Er übergab das winzige Kätzchen in die Hände von Hans Lang, der sich seither gemeinsam mit seiner Frau Petra und seinen Töchtern um das junge Wildtier kümmert, das alle vier Stunden nach einem Fläschchen mit spezieller Katzenbabymilch verlangt.

Auch Xana hat das kleine Energiebündel schon ins Herz geschlossen und passt fast mütterlich auf die kleine Kratzbürste auf. Luzie folgt dem Bayerischen Gebirgsschweißhund, der manchmal auch schon die kleinen Krallen zu spüren bekommt, fast auf Schritt und Tritt.

Was aus Luzie wird,
ist noch ungewiss

Was später aus Luzie wird, ist im Moment noch ungeklärt. Eigentlich soll sie wieder ausgewildert werden, doch durch den Kontakt zum Menschen hat sie ihre natürliche Scheu verloren. So könnte eine Auswilderung schwer realisierbar sein. Denkbar ist auch eine Aufnahme im Wildpark "Tiergarten Weilburg", der ein Wildkatzengehege hat. Doch auch hier muss erst geprüft werden, ob sich Luzie und die anderen Wildkatzen vertragen. Da die KIeine ein Weibchen ist, könnte eine Integration gelingen. Als Hauskatze kann Luzie vermutlich nicht bei der Familie von Hans Lang bleiben, da Wildkatzen nie ganz zahm werden.

Obwohl Hans Lang Luzie bei sich aufgenommen hat und sich die ganze Familie rührend um das Findeltier kümmert, weist er auch darauf hin, dass man junge Wildkatzen und andere Wildtierbabys nicht anfassen und sie in ihrer natürlichen Umgebung belassen soll, wenn man sie in der Natur entdeckt; denn meist ist die Mutter nicht weit entfernt und kehrt in Kürze zu ihrem Nachwuchs zurück. Wenn Wildtierbabys aber angefasst werden, könnte es sein, dass Muttertiere durch den Kontakt des Jungtiers mit Menschen ihren Nachwuchs abstoßen. Erst nachdem Luzie aus sicherer Entfernung lange genug beobachtet worden war, sich kein Muttertier zeigte und zudem die akute Gefahr bestand, dass sie überfahren wird, entschloss sich der Jäger Hans-Otto Müller dazu, das Tier an sich zu nehmen, da er davon ausgehen musste, dass die Mutter nicht mehr zurückkehren würde.

Nachdem Wildkatzen in der heimischen Region nahezu ausgerottet waren, hat sich die Population durch den besonderen Schutz der Tiere in den vergangenen Jahren wieder erholt und die Zahl der in den heimischen Wäldern lebenden Wildkatzen nimmt stetig zu.

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