„Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“

Seine Geistesblitze verlieren an Witz: Gallier-Krieger Asterix im neuen Film. Foto: Universum

Nach einem Sturz vom Baum beim Mistelschneiden sehnt sich Druide Miraculix nach dem Ruhestand, braucht aber vorher einen Nachfolger.

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. Bei vielen Menschen mit BRD-Hintergrund löst jedes neue Asterix-Abenteuer ein zwiespältiges Gefühl zwischen Gespannt sein und „Muss das sein?“ aus. Seit dem Tod des genialen Texters René Goscinny 1977 (der letzte von ihm geprägte Comicband war „Asterix bei den Belgiern“) mangelt es den Comics und erst recht den Verfilmungen an jenem legendären Witz, der einst dafür sorgte, dass sich ganze Unterhaltungen mit Asterix-Zitaten bestreiten ließen. Der mangelnde Esprit tat dem Erfolg jedoch keinen Abbruch; nach acht Zeichentrickfilmen folgten vier starbesetzte Realfilme, in denen sich Gérard Depardieu mit Obelix-Wampe endlich auch als Volksschauspieler etablierte. 2014 traten im Animationsfilm „Asterix im Land der Götter“ Gallier und Römer erstmals in 3D gegeneinander an und überraschten selbst Asterix-Puristen mit Rasanz und unerwartetem Wortwitz.

Auch die Fortsetzung trumpft mit temporeicher Action auf, bei der nicht nur die rosigen gallischen Knollennasen zu XXL-Format aufgeblasen werden. Gleich zu Beginn gibt es eine angeberische Kamerafahrt, die mit dem Sturz des Mistel schneidenden Miraculix von der Eiche endet. Der schwer melancholische Druide sehnt sich fortan nach dem Ruhestand, braucht aber einen Lehrling, dem er das Geheimnis des Zaubertrank-Brauens anvertrauen kann. Mit seinen treuen Helfern Asterix und Obelix und dem cleveren kleinen Dorfmädchen Vitrine unternimmt er eine Druiden-Casting-Tour quer durch Frankreich. Zu Recht sorgen sich derweil die Dörfler daheim um ihre Zukunft. Dank des Verrats von Miraculix’ Rivalen Dämonix beginnen die römischen Legionäre, die rund um das unbesiegbare Dorf die Stellung halten, tatsächlich aufzumucken.

Erneut wird in der quirligen Handlung auf bewährte Motive, unter anderem aus „Der Seher“, und „Kampf der Häuptlinge“ zurückgegriffen, mit schiffbrüchigen Piraten und rauflustigen Galliern (Stichwort Verleihnix vs. Automatix) als Running Gags, aber auch vielen aktuellen Anspielungen. Daneben beherrscht Regisseur Alexandre Astier auch die Kunst des zickig-verbalen Geplänkels. Wenn sich die dauergereizten gallischen Gockel mit spitzen Bemerkungen beharken, fühlt man sich bei mancher Pointe an Goscinny selig erinnert. Was leider gänzlich fehlt, sind jene landsmannschaftlichen Lästereien, die einst das Markenzeichen der Comichefte waren. Nichts da mit Fonduewitzen bei einem Schweiz-Abstecher, und auch kein Spott über regionale Eigentümlichkeiten, wie sie auf dieser Tour de France erwartbar gewesen wären. Trotz der gelungenen Balance zwischen Action und Wortwitz fehlt es auch dieser Asterix-Variation letztlich an Biss – an jenem Schluck Zaubertrank, der zu Geistesblitzen jenseits des bloßen Bemühens inspiriert. Die Gallier spinnen immer noch, aber nicht mehr so schön wie früher.