Was führt zu Terror?

aus Tatort & Polizeiruf 110

Thema folgen
Julia (Mala Emde, Mitte) sucht Schutz bei den Kommissaren Borowski (Axel Milberg) und Brandt (Sibel Kekilli).  Foto: NDR / Christine
 Schroeder

Von Kirsten OhlweinWas muss passiert sein, wenn sich junge Menschen – auch deutsche – einer Terrorbewegung anschließen? Wenn sie ihr altes, christliches...

Anzeige

. Von Kirsten Ohlwein

Was muss passiert sein, wenn sich junge Menschen – auch deutsche – einer Terrorbewegung anschließ;en? Wenn sie ihr altes, christliches Leben komplett hinter sich lassen und sich dem Islamismus zuwenden? Dieser Frage geht der neue Kieler "Tatort" nach. Mit leisen Tönen erzählen Hannah und Raymond Ley, die das Drehbuch von Charlotte I. Pehlivani überarbeitet haben, die traurige und mitreiß;ende Geschichte der 17-jährigen Julia. Julia, so glaubt sie, hat alles verloren: Freunde, Familie, Zuversicht, Hoffnung und die Lust auf ein Leben in der globalisierten Welt. Sie sucht Halt und Sicherheit und wendet sich zunächst dem muslimischen Glauben zu. Erst im zweiten Schritt wird klar, welche Motivation hinter Julias Schritt steckt.

Der Mord, den die Autoren um die Rahmenhandlung herum konstruiert haben, wirkt leider wie mit heiß;er Nadel gestrickt. Vermutlich, damit der "Tatort" am Ende auch ein Krimi ist. Doch bis zum Schluss wird nicht klar, wieso beide Geschichten nebeneinander erzählt werden mussten.

Darüber kann leicht hinwegtrösten, dass Mala Emde in der Rolle der Julia eine grandiose Leistung abliefert und Axel Milberg als Klaus Borowski und Sibel Kekilli als Sarah Brandt selbst gut genug sind, um Emde scheinen zu lassen. Auß;erdem gelingt dem gesamten Team eine beeindruckende Gratwanderung: Islamismus wird nicht mit dem Islam verwechselt, Glaube nicht mit Terror gleichgesetzt.

Anzeige

Bedrückend, traurig, aussichtslos – erwarten Sie kein Happy End. Es wäre nicht realistisch.