Neu im Kino: Trine Dyrholm als „Die Königin des Nordens“

Mit statuenhafter Stärke:Trine Dyrholm alsMargarethe I in„Die Königin des Nordens“. Foto: Dušan Martincek / SF Studios

Margarethe I. war eine Matriarchin des Mittelalters, die Skandinavien zusammenführte. Dieses Historiendrama zeigt sie zwischen Staatsräson und Familiensinn.

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. Sie gilt als Königin der skandinavischen Einheit: Margarethe I. (1353-1412) wurde zwar nie gekrönt, war aber eine der mächtigsten Frauen des Mittelalters. Als Tochter des dänischen Königs und Ehefrau des norwegischen Herrschers hielt sie nach dem Tod ihres Mannes die Fäden in der Hand, als erst ihr Sohn Olaf (1370-1387), dann ihr adoptierter Großneffe Erik (1382-1459) die Krone trugen. Auch Schweden gehörte zu ihrem Einflussbereich.

Das Historienepos „Die Königin des Nordens“ der dänischen Regisseurin und Autorin Charlotte Sieling würdigt Margarethe I. als große Strategin, die eine Allianz mit England schmiedet, um ihr Riesenreich gegen Angriffe aus dem Süden zu wappnen. Trine Dyrholm (49) ist hier blondbezopft unter lauter Männern ganz die kühle nordische Ruhe selbst. Als strategische Partnerschaft soll Erik (Morten Hee Andersen), der gerne Kammermädchen nachsteigt, die gerade mal achtjährige Prinzessin Philippa von Lancaster (1394-1430) heiraten. Doch dafür fordern die Engländer dynastische Rechte im Norden. Erik will drauf eingehen, doch seine Großtante bürstet den Gesandten von der Insel ab.

Standfest wie ein Denkmal

Standfest wie ein Denkmal verkörpert Trine Dyrholm diese sanfte Matriarchin. Ins Wanken gerät Margarethe in ihrer statuenhaften Stärke erst, weil ihre Rolle als Mutter des doch längst verstorbenen Olaf ins Gerede kommt. Charlotte Sieling bezieht sich dabei auf die Geschichte des „Falschen Olaf“: Ein Betrüger aus Pommern behauptete 1402, er sei der vor 15 Jahren vermeintlich gestorbene Olaf. Der Betrüger landete auf dem Scheiterhaufen. Doch da Unterlagen zu seinem Fall mit ihm in Flammen aufgingen, lodern heute noch die Spekulationen, die Sieling hier geschickt anfacht.

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Jakob Oftebro, der den mysteriösen Olaf zunächst verwirrt und verängstigt wie einen Kaspar Hauser des 15. Jahrhunderts verkörpert, verankert die Figur des vermeintlichen Hochstaplers im Lauf der Geschichte immer fester in seiner angenommenen Identität. Er lügt verzweifelt bis in den Tod. Oder ist der „Falsche Olaf“ vielleicht doch der verlorene Sohn? Margarethe hofft, bangt und sucht nach Gewissheit. Sie will ja dran glauben, darf es aber nicht. Zum einen geht im Volk das Gerücht um, sie habe ihren einzigen Sohn einst aus Machtkalkül vergiftet. Zum anderen droht der skandinavische Bund zu zerbrechen, falls Olaf, früher dänischer und norwegischer König, wieder nach der Krone greifen würde.

Wer nicht gerade Grundkenntnisse in Mediävistik und Skandinavistik besitzt, mag in diesem nordischen Ränkespiel Probleme kriegen zu unterscheiden, wo zwischen diversen skandinavischen Gesandten, einem dänischen Bischof, einer schwedischen Sklavin und einem Kaperfahrer der Krone nun die Grenzen zwischen Freunden und Feinden, Realität und Fiktion zu ziehen sind. Auch wenn der historische Verlauf etwas unübersichtlich wirken mag, so bleibt die Spannung davon unberührt. Vor historischen Kulissen und mit einer mächtigen Landschaft als eindrucksvoller Nebendarstellerin ist die Hauptrolle der Margarethe ideal besetzt: Trine Dyrholm („Das Fest“, „Nico 1988“) überzeugt in der Doppelrolle als erste Chefdiplomatin Skandinaviens und Übermutter des Nordens. Die dänische Königin des Autorenkinos besitzt jene natürliche Autorität, die eine Matriarchin des Mittelalters auch als moderne Gestalt beglaubigt.

. SEHENSWERT