„Amazônia“ von Sebastião Salgado und Lélia Wanick Salgado

Bela Yawanawa aus dem Dorf Mutum mit Kopfschmuck und bemaltem Gesicht, fotografiert vom brasilianischen Fotografen und Aktivisten Sebastiao Salgado. Dass er ein Meister der Schwarz-Weiß-Fotografie ist, zeigen seine im Bildband „Amazônia“ vorgestellten Aufnahmen erneut. Foto: dpa

Zu etwas Besonderem wird das Buch durch vor allem durch seine Fotos von den Menschen im Amazonas-Gebiet. Sechs Jahre umfasste das Projekt mit Reisen zu zwölf indigenen Stämmen.

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. Dass Sebastião Salgado ein Meister der Schwarz-Weiß-Fotografie ist, zeigen erneut seine im Bildband „Amazônia“ vorgestellten Aufnahmen. Weite Flächen umspannende Landschaftsporträts spiegeln die unglaubliche Fülle und Schönheit der Region: sich durch gewaltige Wälder schlängelnden Wasserläufe, malerische Hügellandschaften, tosende Wasserfälle, faszinierende Wolken- und Nebelgebilde. Zu etwas Besonderem wird das Buch aber vor allem durch seine Fotos von den Menschen im Amazonas-Gebiet. Sechs Jahre umfasste das Projekt „Amazônia“ mit Reisen zu zwölf indigenen, oft an abgelegenen und schwer zugänglichen Orten lebenden Stämmen.

Bela Yawanawa aus dem Dorf Mutum mit Kopfschmuck und bemaltem Gesicht, fotografiert vom brasilianischen Fotografen und Aktivisten Sebastiao Salgado. Dass er ein Meister der Schwarz-Weiß-Fotografie ist, zeigen seine im Bildband „Amazônia“ vorgestellten Aufnahmen erneut. Foto: dpa
Der brasilianische Fotograf und Aktivist Sebastiao Salgado und seine Frau Lélia Wanick Salgado. Foto: dpa

Der brasilianische Fotograf und Aktivist Salgado (77) wurde 2019 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. 1994 hatte er gemeinsam mit seiner Frau Lélia Wanick Salgado die Agentur Amazonas Images gegründet. „Dieses Buch ist den indigenen Völkern des brasilianischen Amazonasgebietes gewidmet“, schreibt das Paar. „Es feiert das Überleben ihrer Kulturen, ihrer Bräuche und ihrer Sprachen.“ Zudem würdige es ihre Rolle als Hüter der Schönheit, der natürlichen Ressourcen und der Artenvielfalt des größten Regenwaldes der Welt, der immer wieder Angriffen der Außenwelt ausgesetzt ist.

Fischfang und Jagd, Badestellen und Bootsfahrten, Feste und Einblicke in Gemeinschaftshäuser – Salgados Bilder bieten einen umfassenden Einblick in das Leben der besuchten indigenen Völker. „Auch nach einer Karriere voller außergewöhnlicher Erfahrungen hat mir nichts größere Freude bereitet als die Arbeit mit dem Dutzend indigener Stämme, die in diesem Buch porträtiert werden“, sagt der Fotograf.

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Die Völker seien vor allem durch die Abholzung der Amazonas-Wälder etwa für Viehzucht und Sojaanbau nach wie vor extrem bedroht. „Ein Ziel dieses Fotoprojekts ist es zu dokumentieren, was überlebt hat, bevor noch mehr davon verschwindet.“ Wie es im Buch heißt, leben derzeit in einem Gebiet von mehr als der achtfachen Fläche Frankreichs nur noch 370 000 Indigene, die zu 188 Stämmen gehören und 150 verschiedene Sprachen sprechen. Es gebe noch weitere Stämme, die bisher nicht kontaktiert worden seien. „Die Stämme, die ich im Laufe der Jahre fotografiert habe, sind sehr unterschiedlich“, erläutert Salgado. Einige leben demnach in völliger Isolation, jagen mit Pfeil und Bogen sowie Blasrohren und sind größtenteils unbekleidet. Andere mit mehr Kontakt trügen inzwischen Kleidung. Alle aber seien bestrebt, ihre Kultur und Traditionen zu bewahren, wenn auch vielleicht nur noch zu zeremoniellen Anlässen.

Um als Kultur zu überleben, reiche es für die indigenen Völker nicht, von anthropologischem Interesse zu sein, ist Salgado überzeugt. Entscheidend sei ihr Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung des Amazonas. So könnten sie etwa von ihrem Wissen um die Schätze ihrer Heimat – etwa Pflanzen von medizinischem oder kosmetischem Wert – profitieren. „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, mit all meiner Energie, mit all der Leidenschaft, die ich besitze, dass dieses Buch in 50 Jahren nicht wie eine Bestandsaufnahme einer verlorenen Welt wirken wird.“

„Amazônia“ bietet wundervolle, lebensnahe Einblicke in ein gefährdetes Paradies. Dabei lässt es auf großformatigen Seiten die Schwarz-Weiß-Aufnahmen ganz für sich wirken. Der Bildband lässt zwei Dinge ganz besonders spüren: die scheinbare Unendlichkeit des Amazonas-Waldes – und die Verletzlichkeit seiner meist schon zu winzigen Gemeinden geschrumpften indigenen Bewohner.

Von Annett Stein