„Der brennende See“ von John von Düffel

Wasser als Lebensthema: John von Düffel. Archivfoto: Kaufhold

Den titelgebenden, brennenden See gibt es tatsächlich, im indischen Bangalor: John von Düffel untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Generationen auswirkt.

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. „Klimahysterie“ wurde zum Unwort des Jahres gewählt, worauf es Proteste von allen Seiten hagelte. Das Thema erhitzt die Gemüter, wie auch die Figuren im neuen Roman John von Düffels erfahren. Der Autor beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesellschaft, über die Generationen hinweg. Den titelgebenden, brennenden See gibt es tatsächlich, im indischen Bangalore. Das größte Gewässer der Stadt sei so verschmutzt, dass die Chemikalien und Abfälle darin immer wieder Feuer fingen, heißt es in einer dem Roman als Motto vorangestellten Zeitungsmeldung.

Angefangen bei seinem Debütroman „Vom Wasser“ erzählt von Düffel immer wieder von Menschen, die auf die eine oder andere Weise zum Wasser zurückkehren. Der Klimawandel schiebt sich dabei in diesem Roman, dessen Handlung sich an nur vier Tagen abspielt, erst langsam ins Bewusstsein. Zuerst geht es um Privates: Nach dem Tod ihres Vaters sucht Hannah, eine Frau um die vierzig, ihre Heimat auf, um dort letzte Dinge zu klären. Ihr Vater war Schriftsteller und obsessiver Schwimmer, ist seiner Tochter aber zeitlebens eher fremd geblieben. In seiner Wohnung findet sie das Foto einer jungen Frau. Sie heißt Julia und ist obendrein die Tochter von Hannahs früherer bester Freundin.

Das ist mindestens ein Zufall zu viel, wie die ganze Konstruktion ohnehin seltsam unelegant wirkt. Die 16 Jahre alte Julia ist Klimaaktivistin und hatte sich mit Hannahs Vater angefreundet. Die längste Zeit des Romans steht die Frage im Raum, ob es sich bei dem Mädchen um eine Halbschwester von Hannah handeln könnte. Eine Frage, die den Autor so wenig zu interessieren scheint, dass er das später eher nebenbei beantwortet.

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Was ihn wirklich umzutreiben scheint, sind die Proteste der Schüler und Schülerinnen. Als Sprachrohr des Klimaaktivismus nutzt er Julia, die als Figur womöglich deswegen so blass bleibt, weil sie weniger spricht, als Floskeln ausstößt. Während einen diese Parolen kaltlassen, gelingt von Düffel mit einer geschilderten Protestaktion ein beeindruckendes Sinnbild des drohenden Klimawandels: Aufgespießte tote Fische aus dem See türmen sich zu einer apokalyptischen Installation. Doch die Fähigkeit, ergreifende Bilder zu entwerfen, verlässt von Düffel, wenn er sich seinen Protagonisten zuwendet. Hannah wirkt in ihrer raubeinigen Art so ausgedacht wie ihre Beziehungen.

Dabei ist es keine schlechte Idee, die persönliche Generationenfrage mit der gesellschaftspolitischen Generationenfrage zu verschränken. In einem Interview sagte John von Düffel, es gehe in dem Buch grundsätzlich um die Frage, was wir für eine Welt hinterließen, was für ein geistiges und gesellschaftliches Erbe. Diese Frage ist schon deshalb relevant, weil sie sich in vielen Familien stellt. Doch selbst ein relevantes Thema ergibt leider noch keinen relevanten Roman.