Darmstädter Band "8KIDS" schreibt Song zur Corona-Krise

Starker Sound zu besonderen Texten: Emma Mc Lellan, Hans Koch und Jonas Jakob bilden die Darmstädter Band "8KIDS".   Foto: Franz Schepers

Die Darmstädter Band "8KIDS" nimmt sich in ihrem neuen Album auch der Themen an, die richtig wehtun. Zur Corona-Krise komponieren die Musiker einen neuen Song.

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. Ein Mann mit zerwühltem Haar sitzt vor seinem Laptop, starrt verzweifelt auf das, was er dort sieht, schaut in ein Buch, dann wieder in den Rechner, dazu digitales Glockenspiel. Plötzlich hebt er den Finger und fängt mit eindringlicher Stimme zu singen an: "Okay, Zeit für die Abrechnung. Dreißig Tage sind es nun seit der ersten Infektion. Eine Lektion, die uns die Natur zeigt", so skandiert, in Anspielung auf den "Lockdown", Jonas Jakob, der Sänger der Darmstädter Band "8KIDS". Auf dem Bildschirm erscheint sein musikalisches Gegenüber Hans Koch. Dem Trio gehört außerdem die Schlagzeugerin Emma McLellan an.

Wenige Tage nach Beginn der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen melden sich 8KIDS machtvoll zu Wort, knüpfen Zusammenhänge zwischen dem, was gerade passiert und unserer modernen Zeit. Mit prononcierter Stimme und harten Beats präsentiert uns die Band in ihrem Song "Stay the F*ck home" schonungslos ihre Sicht der Dinge.

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"Wir packen Themen an, die wehtun", sagt Hans Koch. In einem anderen Song vom neuen Album "Blüten" geht es in bewegender Weise um häusliche Gewalt, genauer um eine Frau, die von ihrem Mann misshandelt wird und sich am Ende rächt: "Ich gehöre dir nicht". Der Albumtitel kann auf zwei Arten gelesen werden, denn ursprünglich befand sich über dem U ein Macron-Zeichen, also ein Balken für die Betonung des Vokals. Dann hieße es "Blûten" - und würde auf die ernsten Themen der Songs hinweisen. Auf dem mattroten Cover ist ein Soldat abgebildet, zum Schuss bereit. Doch aus dem Gewehr kommen weiße Blüten hervor. Es gibt also Hoffnung, die in der Kreativität liegt.

Auf ihrem ersten Album ging es um Zwischenmenschliches. Die zweite Platte kommt politischer daher. Hans Koch findet, dass man gar nicht unpolitisch sein kann. Er selbst ist meist derjenige, der die Songs erdenkt und mit der Gitarre sowie am Rechner komponiert. Der Rest entsteht in gemeinschaftlicher Arbeit, wobei Sänger Jonas mit seiner ausdrucksvollen Stimme wesentliche Impulse gibt und Emma mit dem Schlagzeug den entscheidenden Rhythmus erzeugt. Manchmal schreiben sie den Song nochmals um oder bearbeiten ihn. Dann nehmen sie ihn direkt in im "Kohlekeller-Studio" in Ober-Beerbach auf.

Die Bandmitglieder machen schon seit zehn Jahren Zeit zusammen Musik, immer wieder in anderen Konstellationen. Jeder hatte auch eigene Projekte, alle waren eher in einer Popwelt zuhause. "Wir wollten etwas Neues machen, was uns wirklich gefällt", erklärt Hans Koch die Motivation der Band. Die Texte sollten direkt sein und treffen und sind deshalb auf Deutsch. "Es ist toll, dass es im Deutschen so viele Wörter gibt, dadurch ist aber auch das Texten viel delikater", erklärt Koch. Manchmal sitze er acht Stunden für zwei gute Zeilen. Die Musik zu komponieren sei einfacher und mache dann richtig Spaß.

2014 fingen die Musiker mit dem gemeinsamen Projekt an und spielten in der Krone, im Schlosskeller und auf dem Schlossgrabenfest in Darmstadt. 2017 gab es das erste Album: "Denen, die wir waren". Der Albumtitel ist als eine Art persönliche Widmung an die eigenen Veränderungen zu verstehen. Alle Veröffentlichungen erscheinen bei Napalm Records, einem Indie-Plattenlabel aus Österreich.

Auch bei 8KIDS klingt Metal durch. Sie rechnen sich dem Post-Hardcore zu, der durchaus mit Refrains arbeitet. "Unsere Songs sind Live-Musik, die man am besten bei unseren Konzerten erleben muss", sagt Hans Koch.

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Musiker sind auch Überlebenskünstler

Im Moment sind alle Konzerte und Festivals abgesagt. Die Bandmitglieder sitzen ohne größere Verdienstmöglichkeiten zuhause. Denn 8KIDS verdienen ihr Geld bei Live-Auftritten und mit T-Shirts, Fairtrade und Bio. Als Musiker sei man Überlebenskünstler und krisenähnliche Zustände gewohnt, sagt Hans Koch. Die gegenwärtige Situation zeige aber auch die prekären Lebenssituationen innerhalb der Kultur insgesamt. Das Terminchaos, das durch die Corona-Krise für Veranstaltungen entsteht, wird sich wohl bis in den Herbst und Winter hineinziehen. Denn Festivals, die im Sommer ausfallen, können nicht einfach verschoben werden.

8KIDS machen aus der Situation das Beste und produzieren neue Songs. Und sie freuen sich aufs Konzert in der Centralstation am 20. November, dem hoffentlich nichts mehr im Weg steht.