Wespenplage im Usinger Land?

Wespen bei der Mahlzeit. Foto: : Antje Lindert-Rottke/Fotolia

Droht uns in diesem Jahr eine Wespenplage? Welche Wespenart sticht besonders gerne? Und wie hält man sich die Plagegeister vom Leib? Der Biologe Dr. Ralf Klinger klärt in der...

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. USINGENWespen sind eigentlich nützliche Tiere. Unermüdlich machen die gelbschwarzen Arbeiterinnen Jagd und helfen so, die Massenvermehrung von Schädlingen abzumildern. Als Teil des Ökosystems haben sie folglich eine ausgleichende, regulierende Funktion.

Die Wespe gibt es allerdings nicht. Was landläufig als Wespe bezeichnet wird, sind wissenschaftlich betrachtet elf verschiedene Arten mit unterschiedlicher Lebensweise und Häufigkeit. Gemeinsam ist ihnen lediglich die gelbschwarze Warnfärbung. Darin sind sie einander so ähnlich, dass es für den Nichtfachmann schwerfällt, die verschiedenen Arten auseinanderzuhalten. Allein die größte heimische Wespenart, Vespa crabro, trägt einen gebräuchlichen deutschen Namen, Hornisse. Über diese großen Insekten befinden sich viele Geschichten im Umlauf. Doch das meiste ist übertrieben und gehört ins Reich überschäumender Phantasie. Hornissen sind weder angriffslustig noch ist ihr Stich gefährlicher als der ihrer kleinen Schwestern.

Unangenehm und lästig werden dagegen nur zwei kaum zu unterscheidende Arten: Vespula vulgaris, die Gemeine Wespe, und Vespula germanica, die Deutsche Wespe. Um sie geht es fast immer, wenn von einer Wespenplage gesprochen wird. Die Nester können von vielen hundert Arbeiterinnen bewohnt sein, die ihre Brut auch aggressiv verteidigen.

Müssen wir nach diesem milden Winter wieder einmal mit einer übermäßigen Vermehrung dieser beiden Wespenarten rechnen? Die Experten verneinen diese Frage. Frostarme Winter wirken sich eher nachteilig aus, da die überwinternden Königinnen dann nicht zur Ruhe kommen und im Frühjahr schon so geschwächt sind, dass ihnen die Gründung des Nestes öfters misslingt. Die Experten erwarten also eher eine geringere Anzahl an Nestern. Deren Entwicklung hängt dann wiederum sehr von der Witterung ab. Nur wenn es wieder zu einem "Rekordsommer" kommen sollte - und danach sieht es im Moment ja nicht aus - könnten sich die Nester gut entwickeln.

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Wissenschaftler raten, den Wespen mit etwas Rücksicht und Verständnis zu begegnen, schließlich sind es nützliche Tiere. Die haben gut reden, wird so mancher sicher jetzt einwenden, schließlich müssen sie nicht mit einem Wespennest im Garten umgehen. Und wer schon einmal gestochen wurde, weiß, wie unangenehm das werden kann, besonders wenn auch Kinder im Garten spielen wollen.

Ein einfacher Trick soll tatsächlich helfen, die Arbeiterinnen auf Abstand zu halten: Einfach eine aus grauem Papier hergestellte Nestattrappe auf der Terrasse gut sichtbar aufhängen. Wespen sind territoriale Tiere und meiden die Nähe anderer Nester.

Dr. Ralf Klinger