Ehemaliger Wehrheimer Lokalpolitiker Edwin Seng Träger der...

Norbert Hartmann von der Landjugend (li.) sowie Stefan Velte und Susanne Kolass vom Geschichts- und Heimatverein haben sich für Edwin Seng (Zweiter v. li.) als Träger der Helmut-Michel-Plakette entschieden. Foto: Christina Jung

Der ehemalige Wehrheimer Lokalpolitiker Edwin Seng (SPD) ist neuer Träger der Helmut-Michel-Plakette. Der Heimat- und Geschichtsverein sowie die Landjugend haben den...

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. WEHRHEIM. Er ist einer, der im Apfeldorf deutliche Spuren hinterlassen hat: Altbürgermeister Helmut Michel (CDU). Als "Schwarzer mit einem grünen Herzen" wurde er von seinen Parteifreunden und auch den politischen Gegnern gerne bezeichnet. Im Juni hat er Geburtstag und dann soll auch die Plakette, die seinen Namen trägt, überreicht werden.

Die Idee dazu hatten Heimat- und Geschichtsverein sowie die Landjugend. Beide Vereine wurden maßgeblich von Michel geprägt. Erst war er als erster Beigeordneter mit Aribert Oehm (SPD) an der Verwaltungsspitze. Dann war er Bürgermeister und hatte mit Edwin Seng einen "Roten" an seiner Seite. Dieser wiederum ist der neue Träger der Auszeichnung.

Stefan Velte vom Heimat- und Geschichtsverein sowie Norbert Hartmann von der Landjugend, beide in der CDU beheimatet, begründeten ihre Wahl folgendermaßen: "Edwin Seng ist ein Mensch, der sich in vielen Vereinen einbringt und schon seit etlichen Jahren das Gemeinwohl dadurch geprägt hat". Auch habe seine politische Heimat, die SPD, nie im Widerspruch zu seinem Anliegen, die Kommune weiter voranzubringen, zu Konflikten zwischen Michel und ihm geführt.

Ob die Übergabe der Plakette im Juni in einem größeren Rahmen möglich ist, sei noch nicht ganz klar, wie die beiden bedauerten. Coronageschuldet müsse wohl auf eine entsprechende Feierstunde verzichtet werden. Seng hat also noch ausreichend Zeit, sich zu überlegen, wen er bei der Übergabe dabei haben möchte. Seng ist nach Robert Velte und Alfred Meurer der dritte Preisträger. Das Geld - 1000 Euro sind ausgelobt - darf er allerdings nicht behalten, sondern muss es spenden. Er darf sich aber aussuchen, wen er damit bedenkt und hat als Kriterien lediglich zu beachten, dass es einem sozialen oder karitativen Zweck zugeführt wird.

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Edwin Seng ist 77 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Söhnen sowie Großvater von vier Enkelkindern.

Bedroht wegen Nerzfarm

Er wurde in Wehrheim geboren und hat schon in jungen Jahren Verantwortung übernommen, indem er bei der Vogelschutzgruppe, die damals von einem Lehrer ins Leben gerufen wurde, die Kasse übernahm. Weiteres Engagement in Vereinen und Politik kamen im Laufe der Jahre dazu. Als Fußballtrainer war er aktiv, "zum Selbstkicken fehlte mir das Talent", wie er schmunzelnd zu Protokoll gibt. Bei der Leichtathletik hatte er bessere Karten und bekam, quasi als Dreingabe, noch die Liebe fürs Leben: Ehefrau Sigrid war auch eine talentierte Leichtathletin.

Seinen Traum, sich mit einer Tierzucht selbständig zu machen, erfüllte er sich mit einer Nerzfarm in Pfaffenwiesbach. Eine schöne Zeit, so erinnert er sich gerne, bis dann Nerze "out" und "politisch nicht mehr korrekt waren". Er habe seine Tiere stets gut gehalten, betont er, "aber wir bekamen Drohanrufe und sogar Morddrohungen". Keine leichte Zeit für ihn und die Familie. "Damals hieß es, Seng macht Frauen glücklich", ein Spruch, der sich auf Frauen bezog, die sich Nerzmäntel als Luxusgut kauften.

In der Politik machte er schnell Karriere und war mit Michel ein wahres Dream-Team. "Die beiden haben viel für Wehrheim erreicht", betonten Velte und Hartmann. So geht das "Wehrheimer Modell" auf die beiden zurück - und dieses hat heute immer noch Bestand. Hier bekommen Wehrheimer Familien oder Paare Bauland zu preisgünstigeren Konditionen.

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Seng war darüber hinaus viele Jahre im VdK aktiv, ist Gründungsmitglied bei den Wehrheimer Wanderfreunden und seit 1972 in der SPD. Eigentlich wollte er sich aus der aktiven Kommunalpolitik verabschieden, ließ sich aber doch noch einmal aufstellen. "Allerdings auf den hinteren Rängen", betont er. Doch die Wähler wollten auf ihn nicht verzichten und so hängte er eine weitere Amtszeit dran. Bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr allerdings wird er seinen "Fehler" nicht wiederholen. Er möchte das Leben genießen - ohne Termine oder Verpflichtungen.

Mitglied in Junger Union

Wobei ihm stets zugutegekommen ist, dass er ein Nachtmensch ist, wie er darlegt. "Ich konnte lange Sitzungsmarathons gut verkraften und hatte nur wenig Probleme damit", erklärt er. Seine politische Heimat habe er wegen der "Starfighter"-Affäre mit Franz-Josef Strauß in der SPD gefunden. "Ich hätte ansonsten auch bei der CDU angefangen, ich war immerhin Mitglied in der Jungen Union". Bürgernah waren sowohl Michel wie auch Seng und die "kurzen Dienstwege" kamen bei den Wehrheimern gut an.

Wer das Geld bekommen soll, welches aus dem Erlös des Wehrheimer Kalenders kommt, weiß er noch nicht. Er hofft hier auf Ideen durch Hartmann und Velte. Aber sicher sei wohl, dass die Mony-Schwestern die Laudatio auf ihn verfassen werden.