Gesundheitsamt prüft Auflagen für Erntehelfer in VG Eich

aus Coronavirus-Pandemie

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Die Auflagen für Erntehelfer in Zeiten der Pandemie stellen viele Landwirte vor Probleme. Foto: dpa

Gerade Betriebe mit vielen Erntehelfern müssen Geld in die Hand nehmen, um Hygieneauflagen zu erfüllen

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VG EICH. Noch immer sorgt die bereits Anfang April gefallene Entscheidung der Bundesregierung, Erntehelfer einreisen zu lassen, für Kontroversen. Während der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, Reinhold Jost (SPD), in einem Papier der Minister von Bund und Ländern eine bessere Unterbringung von Erntehelfern während der Pandemie fordert, kritisieren gerade kleinere Betriebe die Vorgaben als nicht umsetzbar. So sind für die Unterbringung in Sammelunterkünften laut Vorgaben des Landes möglichst kleine, feste Teams festzulegen, die auch zusammenarbeiten.

Diesen Teams sind nach Möglichkeit eigene Gemeinschaftseinrichtungen wie Sanitärräume, Küchen und Gemeinschaftsräume zur Verfügung zu stellen, um zusätzliche Belastungen durch schichtweise Nutzung und notwendige Reinigung zwischen den Nutzungen durch die einzelnen Teams zu vermeiden.

Eine Mehrfachbelegung von Schlafräumen ist grundsätzlich nur für Partner oder enge Familienangehörige gestattet. Jens Günther, Landwirt und Vorsitzender des Bauernvereins Eich, hat mit der Umsetzung der engeren Auflagen bisher keine Probleme. „Ich habe nur vier Erntehelfer, da lässt sich das gut trennen“, berichtet er. Beispielsweise dürfe pro Wohncontainer nur eine Person untergebracht werden, er habe darüber hinaus zusätzliche Dusch- und Küchencontainer aufgestellt. „Ansonsten gibt es eben Regeln wie Abstand halten und für Neuankömmlinge einkaufen gehen.“

Schwieriger gestalte es sich allerdings für die Spargelbauer: „Die haben ja zum Teil 30 bis 40 Leute, die müssen richtig Geld investieren.“ Denn neben dem Verbot der Mehrfachbelegung von Zimmern sind laut Gesundheitsamt auch Spülmaschinen in jeder Küche vorgeschrieben, da das Geschirr nur bei 60 Grad desinfiziert werde.

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Wie das Amt auf Nachfrage mitteilte, seien bisher sechs Betriebe im Landkreis Alzey-Worms bezüglich der Einhaltung der Hygienemaßnahmen kontrolliert worden. In einem Fall habe es eine Beanstandung gegeben. „Hier führt der Betrieb in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt derzeit Nachbesserungen durch“, berichtet Pressesprecherin Simone Stier.

Einer der Landwirte, auf dessen Hof viele Erntehelfer beschäftigt sind, ist Jürgen Beckenbach aus Eich. Auf seinem umgebauten, 150 Quadratmeter großen Heuboden kommen normalerweise zwölf Erntehelfer in Zimmern mit Stockbetten unter. „Momentan wohnen dort nur drei Personen, alle in ihrem eigenen Zimmer“, erzählt Beckenbach. Ein Großteil seiner Saisonarbeiter stamme zwar aus Polen, lebe aber dauerhaft in Deutschland. „Die haben dann hier ihre eigenen Wohnungen und kommen mit ihren eigenen Autos auf den Hof.“ Dennoch habe er extra eine Wohnung mehr angemietet. Ansonsten greife er auch auf Helfer vor Ort zurück, die sich wegen der Krise in Kurzarbeit befänden oder ihr Studium unterbrechen mussten. Viele Auflagen, wie etwa die Spülmaschinen in den Küchen, hält aber auch er so kurzfristig für finanziell nicht umsetzbar.

Jens Günther ermahnt dennoch alle Landwirte in der Verbandsgemeinde, sich an die Auflagen zu halten. „Die Spargelzeit ist zwar bald um, doch bei den meisten fängt die Ernte ja jetzt erst richtig an wenn Erdbeeren, Zwiebeln und Kartoffeln kommen.“