Climbach: Kirche kostete einst 200 Gulden

Wasserturm und Kirche prägen das Ortsbild von Climbach. Foto: Heibertshausen

In Climbach steht eine der sechs Fachwerkkirchen im Kreis Gießen, einer der Herren von Nordeck soll sie zum Gedenken an Sohn gestiftet haben.

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. Climbach(dge/red). Die Kirche in Climbach ist die jüngste unter den sechs Fachwerkkirchen im Kreis Gießen. Das kleine Gotteshaus wurde 1783 erbaut, davon zeugt eine Inschrift über dem Eingang. Wie Werner Heibertshausen (Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte) erklärte, sei sie unter den zahlreichen bedeutenden Fachwerkkirchen in Oberhessen meist nur beiläufig erwähnt worden. Der Heimatforscher bezieht sich auf die Erkenntnsse von Dr. Siegfried Becker, der die Kirchen von Roßberg und Wermertshausen erforschte.

Einer der Herren von Nordeck zur Rabenau habe sie im Gedenken an seinen gerade verstorbenen Sohn gestiftet - das geht wohl aus historischen Dokumenten hervor. Nur wenig mehr sei aus der Hessischen Denkmaltopographie zu erfahren, in der angegeben ist, es habe "G.L.V. von Nordeck zur Rabenau zum Gedächtnis an seinen in Amerika gestorbenen Sohn, Kapitän Karl von Nordeck zur Rabenau, 200 Gulden zum Bau der Kirche in Climbach" gestiftet "Es ist vielleicht von lokalgeschichtlichem Interesse, etwas mehr über die Personen und Umstände der Stiftung von 1783 und den Zusammenhang des Baujahres mit weltpolitischen Ereignissen zu erfahren", meinte Heibertshausen.

Die Bauinschrift im Portal der Kirche ist heute farbig hervorgehoben; darin ist auch der Zimmermann genannt. Die Inschrift lautet: "Groser und erhabener Gott zur Ehre und Verherrlichung deines allerheiligsten Nahmens ist diese Kirche unter der Aufsicht des Herrn Hauptmann Karl von Nordecken zur Rabenau und hiesiger kleinen Gemeinde erbaut und durch Ludwig Müller aus Londorf gezimert worden 1783."

Nicht nur im Gefüge und in ihren Maßen erinnere die kleine Kirche an die beiden Fachwerkkirchen in Roßberg (erbaut 1753) und Wermertshausen (1755), auch die Gestaltung des Portals sei an die Wermertshäuser Kirche angelehnt. Ludwig Müller, "Gemeinds- und Zimmermann dahier in Londorf", könne die beiden Kirchen aber gar nicht errichtet haben, sei er doch 1817 im Alter von 75 Jahren gestorben. Geboren 1742 als unehelicher Sohn der Anna Maria, Reinhard Müllers Tochter von Londorf, sei er zur Zeit der Erbauung der beiden älteren Kirchen erst elf beziehungsweise 13 Jahre alt gewesen. Ob er sie während seiner Lehrzeit, die 1756 begonnen haben dürfte, in der Fertigstellung erlebte oder erst später aufgemessen hat, sei noch nicht geklärt; immerhin hätten die alteingesessenen Londorfer Familien Müller und Pfeiff im 18. Jahrhundert familiäre Beziehungen nach Roßberg gehabt.

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Der in Amerika verstorbene und auch dort begrabene Sohn, zu dessen Gedenken laut Aufzeichnungen die 200 Gulden gestiftet wurden, habe vermutlich mit den hessischen Truppen am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775 bis 1783) teilgenommen.

Im Lagis-Modul Hetrina, in dem die Quellen der hessischen Staatsarchive ausgewertet sind, ist dieser Sohn nachgewiesen: "Karl Friedrich von Nordeck zur Rabenau, gestorben im November 1782, war 1775 zunächst Fähnrich im Regiment von Ditfurth, wurde 1776 zum Secondeleutnant, 1780 zum Premierleutnant und 1781 zum Stabskapitän befördert." Sein Geburtsjahr ist angegeben mit "zirka 1753".

Sein Taufeintrag ist im Londorfer Kirchenbuch nachzulesen. Demnach wurde er am 10. Februar 1754 auf den Namen Victor Carl Friedrich Wilhelm getauft. Sein Vater war Georg Philipp von Nordeck zur Rabenau in Odenhausen/Lda., hatte also seinen Sitz auf dem Gutshof (heute Appenborner Weg 11 bis 13) mit seinem imposanten dreigeschossigen Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Den Hof habe die Familie 1554 nach Erlöschen der Linie Nordeck-Braun erworben. Auch wenn Odenhausen und Climbach zum selben Kirchspiel gehörten, zeige diese Unterstützung, dass kleine, arme Gemeinden in der alten Zeit oft auf Kollekten oder Zuwendungen aus anderen Orten angewiesen waren, um Kirchenbauten finanzieren zu können. Und die Hilfe sei ihnen auch gewährt worden. "Heute würden wir dies als gelungenes Projekt interkommunaler Zusammenarbeit bezeichnen", schlägt Heibertshausen den Bogen in die Gegenwart.