Buseck hat jetzt einen eigenen Ausländerbeirat

A. En-Nosse

Mit der neuen Legislaturperiode hat die Gemeinde Buseck einen eigenen Ausländerbeirat. In seiner konstituierenden Sitzung hat der Rat Abderrahim En-Nosse zum Vorsitzenden gewählt.

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BUSECK. Mit der neuen Legislaturperiode hat die Gemeinde Buseck einen eigenen Ausländerbeirat. Die Bildung dieses Beirates ist für eine Gemeinde nicht verpflichtend und damit auch nicht selbstverständlich. Das fünfköpfige Gremium soll die Aufgabe haben, die Inte-gration von ausländischen Mitbürgern voranzubringen und ihnen ein Forum in der Gemeinde bieten, in dem Integrationsthemen besprochen werden können. "Ich finde es wichtig, so ein Vertretungsorgan zu haben, da es in Buseck viele zugewanderte Menschen gibt, die auch hier vertreten werden müssen", bewertet Bürgermeister Dirk Haas die In-stallation des Ausländerbeirates. Das betreffe vor allem jene Menschen mit Migrationshintergrund, die sich gar nicht demokratisch beteiligen können - bei Kommunalwahlen etwa. Besonders betroffen sind davon Nicht-EU-Zuwanderer. "Es muss noch viel in den Köpfen der hier geborenen Menschen passieren. Sie und Migranten müssen aufeinander zugehen, um sich verstehen zu lernen", glaubt Haas.

In seiner konstituierenden Sitzung am Mittwoch hat der Rat, mit Haas als Wahlleiter, jeweils einstimmig seinen Vorsitzenden Abderrahim En-Nosse, dessen Stellvertreter Halit Aydin, als Schriftführer Hamza Ahmed und als stellvertretende Schriftführerin Javeria Ahmed gewählt.

Da ein Ausländerbeirat ein Novum in der Gemeinde Buseck darstellt, hat diese Zeitung mit seinem neu gewählten Vorsitzenden Abderrahim En-Nosse gesprochen. Der lebt bereits seit fast 20 Jahren in der Gemeinde. Seine Wahl zum Vorsitzenden betrachtet der 60-jährige Dozent an der Gießener Volkshochschule als "Ehre".

Können Sie skizzieren, mit welchen Aufgaben sich der Ausländerbeirat in Zukunft beschäftigen wird? Warum glauben Sie, ist ein Ausländerbeirat notwendig?

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Als Mandatsträger stehen wir für jeden Schritt in Sachen Integration, sowie Zusammenleben und Gemeinwohl in der Gemeinde zur Verfügung. Wir stehen der Gemeinde mit unserer Expertise aus mi-grantischer Sicht beratend zur Seite. Natürlich vertreten wir aber auch die Inter-essen von Zuwanderern und setzen uns für die Belange ein, die das Zusammenleben in der Gemeinde betreffen. Das betrifft etwa Schule, die Arbeitswelt, das Vereinsleben und das Ehrenamt. Es geht um Teilhabe am öffentlichen Leben in der Gemeinde. Gerade das geht oft nicht reibungslos vonstatten, wenn Migranten neue Bürger in einer Gemeinde werden.

Wo sehen Sie denn persönlich Probleme in der Gemeinde, sodass eine Notwendigkeit für einen Ausländerbeirat überhaupt gesehen wird?

Ich denke, dass ein barrierefreies Zusammenleben nur funktioniert, wenn es in der Gemeinde auch Fürsprecher für die Bevölkerungsgruppe der Zuwanderer gibt. Viele von ihnen möchten einen Beitrag in der Gemeinde leisten. Gleichwohl wird von ihnen auch etwas erwartet, damit das Zusammenleben ohne Probleme funktionieren kann. Das gestaltet sich jedoch oft schwierig ohne Fürsprecher. Der Ausländerbeirat kann hier aktiv dazu beitragen, dass sich Zuwanderer am Gemeindeleben beteiligen können.

Eine große Barriere für das Zusammenleben ist ja oft die Sprache. Wenn man sich nicht versteht, entstehen Missverständnisse oder sogar Vorurteile. Kann der Ausländerbeirat da Abhilfe schaffen?

Wir denken, die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Daher stehen wir auch bei Sprachbarrieren zur Verfügung. Dabei gilt jedoch der Grundsatz "fordern und fördern". Die Menschen müssen die Sprache lernen wollen und auf ihre Mitmenschen zugehen. Wir wollen dabei eine Vermittlerrolle für Menschen mit Defiziten in der deutschen Sprache übernehmen.

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Haben Sie ein Beispiel für ein Thema auf den künftigen Tagesordnungen des Ausländerbeirates? Ihre erste Sitzung nach der Konstituierung ist ja bereits der 18. Mai.

Wir werden etwa über das Ehrenamt in der Gemeinde sprechen. Vor allem bei Vereinen wie der Jugendfeuerwehr oder etwa dem Obst- und Gartenbauverein sind ausländische Mitbürger nur selten vertreten. Für die Integration und das Zusammenleben ist es sehr wichtig, dass sich verstärkt junge Menschen mit einem Ehrenamt beteiligen. Damit motivieren sie auch ihre Eltern zuhause und man engagiert sich am Ende vielleicht sogar zusammen für die Gemeinde. Wo Menschen verschiedener Herkunft zusammenkommen, sprich in Vereinen oder bei gemeinsamen Festen, da entstehen weniger Vorurteile und Ausgrenzungen. Daher ist es eine wichtige Aufgabe für den Ausländerbeirat, dieses Thema voranzubringen. Foto: Zylla