Zehn Kaninchen in Großen-Buseck offenbar ausgesetzt

Die Kaninchen wurden offenbar nicht gut behandelt: "Das Fell war verfilzt und voller Kot. Die Tiere sahen aus, als hätte sich schon längere Zeit niemand mehr um sie gekümmert."

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. Großen-BuseckEigentlich wollte Michael Zimmermann im Wald bei "Steins Hütte" in Großen-Buseck lediglich das Polterholz begutachten, als wenige Meter entfernt plötzlich etwas hoppelte. "Ein Feldhase", dachte der 31-Jährige und zückte sein Handy, um das Tier zu fotografieren. Doch der vermeintliche "Hase" war nicht alleine. Zwei weitere Tiere entdeckte Zimmermann und keines davon hatte die für Feldhasen typische Fellzeichnung. Schnell war klar: Es sind Zwergkaninchen - offenbar ausgesetzt, denn auch Einstreu fand sich auf dem Waldboden. Und es blieb nicht bei drei Kaninchen, insgesamt zehn Tiere wurden nach und nach entdeckt. "Fünf Kaninchen hatten sich im Polterholz versteckt", erzählt Zimmermann im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Großen-Busecker informierte das Ordnungsamt der Gemeinde. Eine Mitarbeiterin machte sich auf den Weg in den Wald und half beim einfangen, das Gießener Tierheim wurde kontaktiert. Fast zwei Stunden dauerte die Rettungsaktion im Wald. Zimmermann und ein Freund mussten einige der verängstigten Tiere freihebeln, die zwischen den Holzstücken Zuflucht gesucht hatten. "Die Tiere hatten schon angefangen, ein Loch für einen neuen Bau zu graben."

Zimmermann ärgert sich über die Verantwortungslosigkeit der Besitzer. Bei Facebook hat er das Erlebnis öffentlich gemacht und hofft auf Hinweise, damit die Eigentümer der Kaninchen ermittelt werden können "und mindestens eine saftige Geldstrafe aufgebrummt bekommen". Denn das Aussetzen von Tieren ist kein Kavaliersdelikt, sondern gemäß Tierschutzgesetz eine Ordnungswidrigkeit. Wer sein Haustier vorsätzlich oder fahrlässig aussetzt, dem droht eine Geldbuße von bis zu 25 000 Euro.

Die Zwergkaninchen wurden offenbar schon vorher nicht gut behandelt: "Das Fell war teilweise verfilzt und voller Kot. Die Tiere sahen aus, als hätte sich schon längere Zeit niemand mehr um sie gekümmert." Anstatt die Kaninchen am späten Abend im Tierheim abzusetzen, wo sie zunächst in Notboxen untergebracht gewesen wären, hat Zimmermann sie über Nacht bei sich zuhause einquartiert und mit Futter und Wasser versorgt. Auch Stroh hat er auf dem Boden verteilt, damit sich die Tiere darauf von den Ereignissen erholen konnten.

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Am nächsten Morgen wurden die Langohren dann ins Tierheim gebracht, wo sie nun tierärztlich versorgt werden müssen. Die Vorsitzende des Gießener Tierschutzvereins, Astrid Paparone, konnte am gestrigen Freitag noch keine Angaben zum Gesundheitszustand der Neuzugänge machen. "Von einem eiternden Auge bis zu einer Fehllaufstellung war alles dabei", ärgert sich Zimmermann. Als Besitzer müsse man doch wenigstens den Schneid haben, das eigene Haustier in "einem Tierheim oder einer Auffangstation unterzubringen, wenn einem die Versorgung zu viel oder zu teuer wird".

Von Eva Pfeiffer