Der Name ist Programm: 125 Jahre Trinkwassergewinnung in...

Ein Wasserwerk, in dem man das Wasser noch sehen kann: Peter Keller (r.) bei der Führung in einem der Brunnenhäuser.  Foto: zy

Queckborn bedeutet so viel wie "lebendiger" oder "fließender Brunnen". Das erste Mal wurde der Grünberger Stadtteil in einer historischen Quelle 1108 als "Quecbrunnen" erwähnt.

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QUECKBORN. Der Name Queckborn, das wissen viele vielleicht nicht, bedeutet so viel wie "lebendiger" oder "fließender Brunnen". Das erste Mal wurde der Grünberger Stadtteil in einer historischen Quelle 1108 als "Quecbrunnen" erwähnt und trägt das Nass schon in seinem Wappen. Wasser ist also schon sehr lange hier ein wichtiges Thema und Queckborn ein Wasserschutzgebiet. Nun konnte auf 125 Jahre Trinkwasserförderung zurückgeblickt werden.

Am 7. Dezember 1894 nahm das Wasserwerk zwischen dem "Schnepfenhain" und der "Wassergasse" seinen Betrieb auf. "Die Verantwortlichen der Stadt Gießen haben damals im 19. Jahrhundert Weitblick bewiesen, als sie die Reinheit des Queckbörner Wassers entdeckten und mit der Gemeinde Queckborn in Verhandlung traten, um diese Wasserquellen für die Bürgerinnen und Bürger Gießens zu erschließen", lobte Matthias Funk, technischer Vorstand der Stadtwerke Gießen (SWG), im Rahmen der Feierlichkeiten die Pionierarbeit vor 125 Jahren. In den Anfängen wurde noch mit Dampfmaschinen und Kohlekeller im Schichtbetrieb gearbeitet, um das Wasser auf seinen rund 20 Kilometer langen Weg nach Gießen schicken zu können. Mit der späteren Elektrifizierung kamen dann die elektrischen Pumpen zum Einsatz, die kaum Platz im großen Klinkerbau benötigten, und das Gebäude sah lange Zeit leer aus. Heute geschieht hier alles vollautomatisch und die Verantwortlichen der SWG sind froh, für all die benötigte Technik so viel Platz zu haben.

Grünbergs Bürgermeister Frank Ide lobte die Kooperation mit den Stadtwerken: "In all den Jahrzehnten pflegten beide Parteien einen stets partnerschaftlichen Umgang, handelten nachhaltig und zum Vorteil aller Beteiligten."

Anlässlich des Jubiläums standen die Tore der weitläufigen Anlage im Nordwesten des Ortsteils mit ihrem Park, den Pumpenhäusern, Verköstigung, Unterhaltung für die Kinder und informativen Führungen für die zahlreichen Gäste offen. Doch trotz des frohen Anlasses und bei strahlendem Sonnenschein, ohne einen Appell angesichts des kostbaren und nicht selbstverständlichen Gutes "H2O", ging es an diesem Sonntag nicht: "Wir haben nicht unbegrenzt Wasser zur Verfügung", lauteten die mahnenden Worte von Ortsvorsteher Wilhelm Zoll, der zu einem sparsamen Umgang riet. Gerade der letzte trockene Sommer habe deutlich gezeigt, dass Wasser sehr behutsam verteilt werden müsse. Nicht nur im Kreis Gießen, sondern auch weltweit, merkte der Grünen-Politiker an. In Sachen Wasserkonsum empfiehlt Peter Keller, Leiter Netze Energie und Wasser bei der SWG, generell lieber zu Leitungswasser als dem Wasser aus den Supermärkten zu greifen: "Leitungswasser ist das am besten kontrollierteste Lebensmittel im Land und wird stärker überwacht als jedes Mineralwasser." Egal, ob Trübungskontrollen, UV-Behandlung oder rund 300 Proben jährlich im Netz und in Queckborn - bei Leitungswasser gelten strenge Regeln. Einwegflaschen aus dem Einzelhandel produzierten zudem unnötig Müll und geben laut Keller den Schadstoff "Bisphenol A" in das Wasser ab, der als nervenschädigend und krebserregend gilt. Der Biologe gab zudem einen weiteren Tipp: Wasserleitungen im eigenen Haus können sich negativ auf die Wasserqualität auswirken. "Das Entscheidende ist hier die Mikrobiologie", erklärte Keller. Wasser, das über Nacht in den Rohren des Hauses ruhte, sollte man morgens erst einmal durchlaufen lassen. "Bis es merklich kühler ist, dann hat man das frische Wasser von draußen", empfiehlt der Experte, der zuhause selbst Leitungswasser trinkt.

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Natürlich hatten die Gäste dann auch selbst nochmal die Chance, kühles Queckbörner Wasser zu probieren. Zu meckern gab es scheinbar nichts.