Die schwierige Suche nach dem stillen Örtchen in Gießen

Viele Toiletten wie hier in Mainz sind in Corona-Zeiten nicht mehr zugänglich, auch im Einzelhandel. Da kann die Suche nach einem stillen Örtchen schon einmal zu einer kleinen Odyssee werden.  Archivfoto: VRM

Viele Toiletten im Einzelhandel sind derzeit wegen der 800-Quadratmeter-Regel der Corona-Verordnungen zwischen der Bahnhofstraße und dem Seltersweg für Kunden nicht mehr...

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. GiessenEinkaufen mit Mu-Na-Schutz ist derzeit ohnehin kaum das reine Shopping-Vergnügen. Dass auch noch ganz andere Widrigkeiten einem den Bummel durch die Einkaufsstadt Gießen verleiden können, musste jetzt ein Paar, beide bereits jenseits der 70, erleben. Im Seltersweg überkam die Dame ein allzu menschliches Bedürfnis. Sich zu erleichtern, sollte in einer Stadt mit mindestens 30 "netten Toiletten" eigentlich kein Problem sein, doch weit gefehlt. Der Aufkleber, der darauf hinweist, dass hier auch notdürftige Laufkundschaft willkommen ist, prangt ja vorzugsweise an der derzeit noch geschlossenen Gastronomie. Im Einzelhandel musste das Paar nun erkennen, dass in Corona-Zeiten nicht nur Klopapier zur Rarität wird, sondern auch die frei zugänglichen Örtlichkeiten, für die es gemacht ist. Sowohl bei Karstadt als auch C&A, sowohl beim Modepark Röther als auch bei zwei, drei weiteren Geschäften wurden die beiden abgewiesen. Erst eine Bäckerin habe sich ihrer erbarmt und seiner Frau geöffnet, klagt der Mann am Telefon.

Allein, es sind nicht die raueren Sitten in Corona-Zeiten, die beide auf diese Odyssee geschickt haben, sondern die unkaputtbare deutsche Bürokratie, die sich gerade so richtig austoben kann. "Wir würden liebend gerne alles für unsere Kunden tun und natürlich auch die Toiletten für unsere Kunden öffnen", versichert Röther-Filialleiter Julian Pöhlert, "aber wir dürfen es nicht". Gerade mal 800 Quadratmeter seiner 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche dürfe er gemäß den geltenden Regeln öffnen, und die Toiletten seien leider zu weit entfernt im Gebäude, um sie da sinnvoll einzubeziehen. Ähnlich äußert sich auch eine Mitarbeiterin von C&A, während von Karstadt am Mittwoch keine Stellungnahme zu bekommen war.

Pöhlert bedauert, dass man da auch keine Ausnahme machen könne. Die Vorgaben seien nun mal streng und würden vom Ordnungsamt täglich kontrolliert. "Aber wir stehen in den Startlöchern", versichert der Filialleiter. Würde die 800-Quadratmeter-Grenze an diesem Wochenende abgeschafft, dann könne bereits am Montag die ganze Filiale öffnen, "mit Sicherheitskonzept für den richtigen Abstand und auch die Toilettennutzung".

Wen nun also ein kaum noch zu unterdrückender Drang überkommt, für den gibt es noch einen Toilettentipp von uns. Seit der ersten Lockerung im Einzelhandel sind nämlich die Sanitärräume in der Galerie Neustädter Tor wieder kostenlos und frei zugänglich, weil diese räumlich getrennt von den einzelnen Geschäften in dem Einkaufszentrum sind. Zudem würden sie täglich nach einem genauen Hygieneplan gereinigt, der dem Personal vorschreibe, in welcher Reihenfolge es welchen Handlauf zu desinfizieren habe, betont Center-Managerin Fabiola Peiniger. Schließlich werde man ja auch vom Ordnungsamt kontrolliert - und das mehrmals täglich.