Gemeinsam wachsam sein

Zum neuen Spielplatz im Schwarzlachweg gibt es viele positive Rückmeldungen. Symbolfoto: Leyendecker

Nach über einem Jahr pandemiebedingter Pause lud der Nordstadtverein jüngst zur Sitzung des „Runden Tisch Flussstraßenviertel“ ein. „Wir wollten einen offenen Tisch...

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GIESSEN. Nach über einem Jahr pandemiebedingter Pause lud der Nordstadtverein jüngst zur Sitzung des „Runden Tisch Flussstraßenviertel“ ein. „Wir wollten einen offenen Tisch ermöglichen, das war aber schon logistisch nicht machbar“, ließ der Vorstand vor Beginn verkünden. Quartiermanagerin Frauke Kühn teilte in ihrem Bericht über die momentane Lage im Quartier mit, dass die Projekte zur Förderung von Bewegungsmöglichkeiten für Kinder weiter anlaufe.

Ein erstes Konzept sei bereits in der Sudetenlandstraße verwirklicht worden, weitere sind entlang der Straße sowie am Asterweg geplant. Die Holztiere sollen den Kindern die Möglichkeit zur körperlichen Betätigung geben. „Da kann dann zum Beispiel geklettert oder sich bewegt werden und die Kinder können Hindernisse überwinden“, schilderte Kuhn. Die Ankündigung weiterer solcher Objekte ist Stand jetzt jedoch noch Wunsch statt Realität. Corona hatte dort den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung gemacht und auch an der Umsetzung gibt es noch offene Fragen. „Das Hundeklo müsste gegebenenfalls umziehen. Wir möchten aber bei der Planung der Objekte die Kinder nach Möglichkeit dabei haben“, so die Quartiersmanagerin.

Spielplatz allerseits begrüßt

Große Anerkennung erhielt Kühn von den Anwesenden beim Thema Spielplatz im Schwarzlachweg. Die Einweihung während der Spielplatzwoche Anfang des Monats sei bei den Anwohnern sehr gut angekommen und werde von allen Seiten begrüßt. „Die Familien sollen den Spielplatz wahrnehmen, denn uns ist bewusst, dass der Winter unter Coronabedingungen wieder schwierig wird“, betont die Organisatorin. Täglich ist eine Auslastung von rund 30 Kindern und 30 Erwachsenen geplant. Obwohl es „nur“ ein Spielplatz sei, unterstrich Kühn, dass dort die Familien ein Rückzugsort haben könnten. Von den Kindern werde der Spielplatz bereits „Feuerwehrspielplatz“ genannt, schilderte sie.

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Sorgen bereite den Anwohnern aber die Situation am Abend, wie eine Anwohnerin in ihrem Statement betonte. Sie habe sehr negative Erfahrungen in der Vergangenheit mit jugendlichem Vandalismus und Ruhestörung gemacht und wolle das für den neuen Spielplatz vermeiden. „Ich fürchte, dass die Jugend auf dem neuen Spielplatz Randale macht und dann dort wieder Bierflaschen, Scherben und Zigarettenstummel hinterlässt“, berichtete die Anwohnerin. Sie selbst begrüße den Spielplatz, forderte die Anwesenden jedoch dazu auf, gemeinsam wachsam zu sein, was die Quartiersentwicklung angehe. „Die Kinder hätten einen schönen Spielplatz verdient, dann geben wir ihnen den doch“, bekräftigte sie abschließend. Doch nicht alle Bewohner stimmen vollkommen mit der Anwohnerin überein. „Es gibt keine Jugendspielplätze. Wir ärgern uns über Jugendliche, aber die haben kaum Alternativen“, resümierte ein weiterer Anwohner. Die jungen Leute seien nicht das Problem, sondern die fehlenden Orte für spätabendliche Partys im Freien. „Wir alle waren mal jugendlich, wir waren alle zu laut, wenn wir ehrlich sind“, berichtete der Anwohner aus seiner eigenen Erfahrung.

Für Ordnung sorgen soll künftig auch der Schutzmann vor Ort, Hanno Kern. Der zweifache Familienvater ist selbst in der Nordstadt aufgewachsen und hat das nahegelegene Landgraf-Ludwig-Gymnasium besucht, bevor er Polizeibeamter wurde. „Ich habe einen großen Vorteil, den andere Kollegen nicht haben. Ich habe Zeit“, betonte Kern. Er selbst sei als Schutzmann vor Ort eingesetzt und bekräftigte, dass er „unabhängig, fair und offen für alles“ sei. Der Schutzmann vor Ort kümmere sich um die Probleme vor Ort, versteht sich aber nicht als eine Art Hilfssheriff. „Ich habe den Fühler im Wohngebiet und möchte mir beide Seiten anhören“, so der Polizist. Bei den Problemen werde er die örtlichen, sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten im Blick behalten. Gerade Corona habe gezeigt, dass der begrenzte Wohnraum in den Vierteln problematische Hotspots fördere. Auch dort werde Kern ein Auge drauf haben. „Probleme lassen sich nur lösen, wenn jede Fraktion mitmacht“, resümierte er seine Aufgabe. Er selbst biete auch Sprechstunden für Anwohner an, damit sich das Frustlevel im Viertel senken könne. „Das Projekt wird auch noch weiter ausgebaut, keine Sorge. Ein Schutzmann ist pro 10 000 Einwohner vorgesehen“, erklärte Kern abschließend das Konzept.