Gießen: Wiesecker erfinden Notfallpass in Briefmarken-Größe

Nach Scan des QR-Codes mit der Kamera des Smartphones sind die Gesundheitsdaten sofort abrufbar.  Symbolfoto: dpa

Das Start-up-Unternehmen "dig-Sie.De" in Gießen-Wieseck hat eine Lösung im QR-Format entwickelt. Der Code lässt sich mit dem Smartphone scannen und ist auch auf der Kleidung...

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GIESSEN-WIESECK. Um für den Notfall gerüstet zu sein, braucht es inzwischen nicht mehr viel. Genauer gesagt, reicht ein QR-Code, nicht größer als eine handelsübliche Briefmarke. Die Firma "dig-Sie.De" aus Wieseck, ein junges Start-up-Unternehmen, hat sich einem ungewöhnlichen Projekt gewidmet. Der von ihnen entwickelte digitale Notfallpass "A-Ident" in QR-Format lässt sich leicht auf ein Objekt aufkleben. Auslesen lassen sich dann die persönlichen Gesundheitsdaten der betroffenen Person per Scan des Codes mit der Kamera des Smartphones. "Ob am Helm oder an der Sporttasche, wir haben hier eine schnelle Lösung ganz ohne App", berichtet Geschäftsführerin Beate Siede im Gespräch mit dieser Zeitung.

Datenschutz bedacht

Der Hintergrund des Projekts ist recht pragmatisch: "Meine Mutter hatte einen schweren Notfall, mein Vater war damals völlig hilflos", erzählt Siede. Im Krankenhaus sei sie dann gefragt worden, welche Medikamente die Mutter benutzen würde, worauf die Unternehmerin nicht direkt antworten konnte. Dort entsprang die Idee für das Projekt, die eigenen Gesundheitsdaten digital auf einem QR-Code zu speichern. "Die Daten, die man eingibt, können individuell festgelegt werden", erläutert Andreas Siede, Gesellschafter der Firma und Ehemann der Inhaberin. Die Angaben auf dem Code können problemlos aktualisiert und ergänzt werden.

Dass das Projekt nur mithilfe von Teamwork funktioniert, betont Beate Siede bereits zu Beginn. "Mein Mann ist das Gehirn, ich bin Bauch und Herz", sagt sie lachend. Natürlich habe man auch das Thema Datenschutz bedacht, betonen die beiden Initiatoren, man sei aber zu dem Schluss gelangt, dass das Projekt datenschutzrechtlich mit den gültigen Normen vereinbar sei. "Was sie am Ende in den Code einpflegen, das ist ihnen überlassen", sagt Andreas Siede. Man sehe nicht auf den ersten Blick, um welche Person es sich handelt. Das geht nur, wenn man den Code gezielt ausliest. Zudem lassen sich neben den persönlichen Daten auch detailliertere Informationen wie Organspendeausweis und Patientenverfügung eingeben.

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Wichtig war den beiden Unternehmern eine schnelle und pragmatische Lösung ganz ohne App. Das Fehlen der App macht den "A-Ident" zwar unattraktiv für kommerzielle Vermarkter, dennoch sind die Unternehmer bereits an Krankenkassen und Mediziner herangetreten. Das Unternehmen beschäftigt neben den beiden Köpfen drei weitere Mitarbeiter und agiert nachhaltig, klimaneutral und modern, worauf das Ehepaar sehr viel Wert legt. Corona ist für die Wiesecker Unternehmer kein Problem. "Die Digitalisierung ist im Trend, unsere Mitarbeiterinnen sind im Homeoffice", meint Andreas Siede.

Dem Trend folgend sind die Informationen auf dem "A-Ident" inzwischen auch zweisprachig in Deutsch und Englisch verfügbar. Für die Registrierung und vier Aufkleber sind 15 Euro fällig, optional sind jedoch auch mehr Aufkleber erhältlich. Außerdem ist es möglich, den persönlichen QR-Code auf ein Schmuckstück gravieren zu lassen.

Gute Resonanz

Die Resonanz spricht nach Angaben von Beate Siede deutlich für das Produkt. "Wir haben gute Resonanzen von Rettungswagen und Notärzten erhalten. Das motiviert uns natürlich auch", so die Unternehmerin.

Der "A-Ident" soll nicht nur das Sicherheitsgefühl steigern, sondern auch pragmatische Probleme im Notfall lösen können. "Was passiert, wenn ein Single einen Hund zuhause hat und allein mit dem Fahrrad unterwegs ist und ein Notfall passiert? Mit dem Ansprechpartner auf dem Notfallpass kann dann der Hund versorgt werden", erläutert Beate Siede. Das Thema einer eigenen App ist jedoch nicht vom Tisch, betont Andreas Siede, im Gegenteil. "Die App wird in Zukunft kommen, wir werden aber QR-Code mit App kombinieren", so der Gesellschafter. Bis es so weit ist, kann der kleine QR-Code auf der Kleidung dafür sorgen, dass im Notfall wichtige Minuten nicht sinnlos verstreichen, sondern dass aktive Hilfe möglich wird.

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Erhältlich sind der QR-Code sowie ausgewählte Schmuckstücke im Onlineshop des Unternehmens unter: www.schatzengel.de.