"Gießener Kreidekreise" und die Kultur unter freiem Himmel

Bei der "Nachttanzdemo" ist in Kreisen gefeiert worden. Foto: Leyendecker

Eine Petition fordert für Gießen ein "vereinfachtes Verfahren" bei kulturellen und gesellschaftlichen Versammlungen. Kreidekreise wie bei der "Nachttanzdemo" spielen dabei...

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. Giessen (bl). Mit geometrischen Figuren im Mathematikunterricht haben die "Gießener Kreidekreise" nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein Konzept, das erstmals bei der jüngsten "Nachttanzdemo" angewandt worden ist. Deren Ziel war es, ein Zeichen zu setzen: dass nämlich Kultur unter Corona-Bedingungen machbar sei. Jeweils zehn vorher angemeldete Personen durften verteilt über mehrere Standorte in einem markierten Bereich innerhalb eines Durchmessers von dreieinhalb Metern "abstands- und maskenlos" feiern sowie zu den Beats von der Bühne zappeln - wenn gleichzeitig zu anderen Gruppen die Distanz gewahrt bleibt. Eine Person pro Kreis achtet als Ordner darauf, dass die Vorgaben eingehalten werden.

Und da das vor einer Woche mit circa 1000 Teilnehmern "erfolgreich" praktiziert worden sei, haben die Organisatoren um Alexander Vasil nun auf der Plattform "openPetition" ein Gesuch an den Magistrat respektive Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz gerichtet. Demnach soll beschlossen werden, dass die "Anzeige einer Versammlung unter freiem Himmel zum Zwecke der Demonstration hygienisch sicherer kultureller und gesellschaftlicher Darbietungen" durch das Ordnungsamt "in einem vereinfachten Verfahren bearbeitet" werde, um den Ablauf "mit einem Minimum an Aufwand" zu ermöglichen. Aus dem Rathaus heißt es auf Anfrage des Anzeigers, dass sich die Stadt aktuell noch in der Nachbereitung und Bewertung der letzten "Nachttanzdemo" befinde. "Die Forderungen der Petition werden in diesem Zusammenhang geprüft."

Im Einzelnen wird angeregt, öffentliche Flächen "nach Maßgabe des Gesundheitsamtes des Landkreises Gießen mit tauglichem Gerät mit Kreidekreisen gemäß den Abstandsregeln zu versehen, um einer Unansehnlichkeit durch mehrmalige Markierung vorzubeugen". Zudem sei der Zugang zu den städtischen Stromquellen "im Rahmen der städtischen Kultur- und Gesundheitsförderung kostenlos zu gewähren".

Angesichts dessen, dass die Veranstaltungen nicht kommerziell seien, werde es als "städtische Aufgabe" betrachtet, sich um das "erhöhte Müllaufkommen" zu kümmern und zusätzliche Behältnisse aufzustellen. Notwendig seien darüber hinaus "zwei mobile Toiletten - besser Toilettenwagen und ein Pissoir - pro hundert eingezeichneten Plätzen". Schließlich sollen die vorgeschriebenen Schalldruckmessungen an den Fenstern des jeweils nächsten Wohnhauses erhoben und eruiert werden, ob die verschärften Grenzwerte temporär erst ab 23 Uhr statt ab 22 Uhr gelten könnten. Eine solche "hygienisch sichere Zwischenlösung", argumentiert der Initiator, diene letztlich der "Befriedigung der kulturellen und somit auch seelischen Bedürfnisse der Einwohner*innen Gießens".