Greenpeace-Aktion auf Gießener Kirchenplatz

Ein oft gewähltes Symbol war die Friedenstaube Foto: Hopper

Die Gießener Greenpeace-Gruppe hatte anlässlich des Kriegsendes in Europa vor 75 Jahren dazu aufgerufen, individuelle Friedenssymbole zusammenzutragen. Diese waren am...

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. GIESSEN (hop). Wer am Freitagnachmittag durch die belebte Gießener Fußgängerzone schlenderte, las auf Höhe des Kirchenplatzes folgende, in riesigen Lettern verfasste Botschaft in Kreide auf die Straße geschrieben: "Nie wieder Krieg. Nie wieder Rassismus. Nie wieder Antisemitismus." Verfasst hatte den Appell die Gießener Greenpeace-Gruppe, die anlässlich des Kriegsendes in Europa vor 75 Jahren dazu aufgerufen hatte, individuelle Friedenssymbole zusammenzutragen. Als gemeinsames Zeichen für den Frieden wurden diese von den Aktivisten an einer improvisierten Pinnwand aufgehängt und präsentiert. Mitorganisatorin Diana Becker wählte klare Worte: "Der Zweite Weltkrieg war das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte. So etwas darf nie wieder vorkommen." Auch 75 Jahre nach der endgültigen Kapitulation des NS-Regimes sei es daher elementar, das Gedenken an den Krieg und die menschenverachtenden Verbrechen aufrechtzuerhalten: "Es ist wahnsinnig wichtig, dass das, was damals passiert ist, nicht in Vergessenheit gerät."

Unabhängig von der aktuellen Situation hätte sich die Gießener Greenpeace-Gruppe dabei für eine stille Form des Gedenkens entschieden. Becker zeigte sich mit der Beteiligung der Bürger, die in Form von selbst gebastelten Friedenstauben für das heimische Fenster deutschlandweit auch von zuhause aus an der Aktion teilnehmen konnten, jedoch zufrieden. "Wir haben viel positives Feedback bekommen. Obwohl es etwas schleppend losging, kam erstaunlich viel zusammen." Zahlreiche Friedenstauben, auch Papierschiffchen, Karten und selbstgemalte Bilder konnten bewundert werden. Becker betonte den Zusammenhang zwischen stabilem Frieden und dem globalen Klimaschutz, der für Greenpeace seit jeher von besonderer Wichtigkeit sei. "Bewaffnete Konflikte sind - mal als Ursache, mal als Konsequenz - oft mit Umweltverschmutzung verbunden. Umweltschutz und Frieden sind also oftmals gar nicht genau voneinander zu trennen." Klare Kritik verübte die Greenpeace-Gruppe daher auch an den zuletzt deutlich gestiegenen Waffenexporten der deutschen Bundesregierung, die damit zahlreiche Kriege auf der ganzen Welt unterstütze. Eine Brücke zwischen dem wichtigen Gedenken und der aktuellen Situation schlug schließlich auch einer der teilnehmenden Passanten, dem besonders die erneute Zunahme radikalen Gedankenguts Sorge bereitete: "Das Gedenken ist wichtig. In Anbetracht des steigenden Rechtsradikalismus vielleicht von Jahr zu Jahr mehr."