Gute Noten für Digitale Lehre an Uni Marburg

Das Biochemie-Praktikum für Master-Studierende findet wegen der Coronavirus-Pandemie unter besonderen Hygiene- und Abstandsregeln statt.  Foto: Neumann

Die Studierenden bewerten das bereitgestellte Lernmaterial und die zeitliche Flexibilität überdurchschnittlich gut, die Technik und die Barrierefreiheit sogar sehr gut.

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. Marburg (red). Flexibel in der Krise, sehr gut in der digitalen Welt: Dieses Zwischenzeugnis erhält die Philipps-Universität in ersten Evaluationen zur digitalen Lehre im Sommersemester 2020.

Die Studierenden bewerten das bereitgestellte Lernmaterial und die zeitliche Flexibilität überdurchschnittlich gut, die Technik und die Barrierefreiheit sogar sehr gut, heißt es in einer Pressemitteilung. Technische Probleme werden manchmal im Zusammenhang mit der Netzstabilität berichtet. Doch trotz der guten Erfahrungen mit digitalen Formaten würden etwa 60 Prozent der Studierenden ihre jetzige Veranstaltung lieber in Präsenz anstatt online besuchen, bei Seminaren sogar zwei Drittel.

Mehr Feedback hilfreich

"Die formative Evaluation der digitalen Lehre im Sommersemester fällt erfreulich positiv aus", resümiert Prof. Malte Schwinger. Der Psychologe hat die Befragung in Zusammenarbeit mit dem hessenweiten Projekt "Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen (DigLL)" durchgeführt. Fast 4000 Studierende nahmen daran teil. Im digitalen Lernen wünschen sich viele Studierende von den Lehrenden mehr Kontakt und Feedback und sehen Zeitpläne als hilfreich für die Strukturierung ihres eigenen Lernens.

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Positiv sind auch die Erfahrungen vieler Lehrenden mit der Unterstützung der Universität für die digitale Lehre im "Corona-Semester". Dabei helfen viele Stellen innerhalb der Universität, vor allem die "Zukunftswerkstatt" für digital gestützte Hochschullehre und die Hochschuldidaktik. Insgesamt beteiligten sich etwa 250 Lehrende an der Erhebung. Einige wünschen sich noch mehr Unterstützung, zum Beispiel in Form von Online-Coaches und Video-Tutorials.

Auch der Wunsch nach didaktischer und technischer Unterstützung wurde geäußert, zum Beispiel bessere Netzabdeckung in älteren Gebäuden und Unterstützung bei Videoproduktionen. Ebenso wie die Studierenden wünschen sich viele Lehrende eine stärkere Rückkehr zur Präsenzlehre.

Laborpraktika, Freilandpraktika und sportpraktische Übungen konnten bereits Anfang Juni unter besonderen Schutzmaßnahmen wieder starten. Zusätzlich sind nun auch andere auf persönliche Interaktion angewiesene Lehrformate wieder in Präsenz möglich, wenn ein schlüssiges Hygiene- und Abstandskonzept vorgelegt wird.

"Erstis" haben Vorrang

An der Universität wird unterdessen das kommende Wintersemester geplant. Vorrangig sollen die Studierenden im ersten und zweiten Semester die Möglichkeit erhalten, zu ihren Veranstaltungen auch persönlich zu erscheinen. "Besonders wichtig ist uns, dass die Erstsemester gut hier ankommen und schnell zu Studierenden werden können - auch im Lern- und Arbeitshabitus. Deshalb haben Präsenzveranstaltungen für Erstsemester Vorrang", erläutert Prof. Evelyn Korn.

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"Wir wollen auch, dass Veranstaltungen, die von hoher Interaktion leben, also vor allem Seminare in den Geistes- und Sozialwissenschaften, wieder in Präsenz stattfinden können", betont die Vizepräsidentin für Studium und Lehre. "Gleichzeitig hat die Universität eine klare Verantwortung für ihre Lehrenden und Lernenden. Deshalb kann es Präsenzlehre auch weiterhin nur unter hohen Schutzmaßnahmen geben."