In Gießen: Integration miteinander leben

Wollen miteinander aktiv werden: Ein erstes Treffen hat zwischen Mitgliedern von Omnes und Brüder-Grimm-Schülern stattgefunden. Foto: Moor

Der erst 2019 gegründete Verein Omnes findet in Brüder-Grimm-Schülern aus Gießen Mitstreiter für ehrenamtliches Engagement zugunsten von Jugendlichen und Senioren.

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GIESSEN. "Warum habt ihr denn alle gefrühstückt?", fragt Ömer Faruk Bilgin entsetzt - wurde doch für die Gäste ein reichhaltiges Frühstücksbuffet vorbereitet. Der Vorstandsvorsitzende von Omnes e.V. hat nämlich eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Brüder-Grimm-Schule in die Räume der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung eingeladen, um dort das erste Treffen des Vereins zu veranstalten.

Bereits 2019 wurde Omnes (lateinisch für "Alle") auf Initiative von Bilgin hin gegründet. Dieser habe gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, Mitgründer und stellvertretendem Vorsitzenden Hamza Tamir schon lange den Wunsch gehegt, sich ehrenamtlich zu engagieren und den gemeinnützigen Verein dafür mit vornehmlich Mitschülern gegründet - alle Mitglieder sind Jugendliche. Zwei gesellschaftliche Probleme unserer Zeit möchte Omnes angehen: Zum Einen ist dies die durch die fortschreitende Überalterung wachsende Isolation älterer Personen, denen man weiter ein aktives Leben ermöglichen möchte. Der andere Fokus liegt auf der Integration von Jugendlichen in die deutsche Gesellschaft - dies können beispielsweise Geflüchtete sein, oder auch Kinder ausländischer Uni-Mitarbeiter.

Nach einer langen Gründungsphase, in der viel an Bürokratie erledigt werden musste, die aber auch durch die Pandemie herausgezögert wurde, kann nun das Pilotprojekt "Integration durch Schüler" mit einer Integrationsklasse der Brüder-Grimm-Schule starten. Davon erfahren hat Lehrerin Lenka Schneider im Schulamt und sah dies als eine ideale Chance für ihre Schüler, sich auch außerhalb des Schulalltages zu vernetzen, vor allem in den Schulferien, in denen die Jugendlichen oftmals wenig Beschäftigung fänden. Omnes bietet ihnen nun ein zwangloses, niedrigschwelliges Angebot. Nach dem Kennenlerntreffen, bei dem sich alle vorstellen und beispielsweise von ihren Berufswünschen erzählen, sei es relativ offen, welche soziale Aktivitäten man organisiere, von Sportveranstaltungen über Theaterbesuche, aber auch für Hilfe bei der Suche nach Schülerpraktika stehen die Vereinsmitglieder bereit. Auch finanziell eventuell schwieriger realisierbare Hobbys sollen ermöglicht werden, der Verein trägt die dabei entstehenden Kosten - gefördert werden die Projekte unter anderem vom hessischen Landesprogramm "WIR" für Vielfalt und Teilhabe, Unterstützung kommt aber auch durch die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung, die Räumlichkeiten stellt, sowie Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Ministerpräsident Volker Bouffier. Darüber hinaus kooperiert man neben Schulen auch mit Seniorenzentren, dem Nordstadtzentrum oder dem Stadtschülerrat.

Ziel des Vereins ist schlicht, die teilnehmenden Jugendlichen auf Augenhöhe, nämlich durch andere Jugendliche, an Kultur und Gesellschaft teilhaben zu lassen - das sei auch ansprechender als ein gewöhnlicher Deutschkurs, lacht Ömer Bilgin. Sowohl er als auch andere Vereinsmitglieder können nachempfinden, welche Probleme im Alltag durch einen Migrationshintergrund auftreten können, und wollen daher gerne anderen Jugendlichen helfen.

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Auch gemeinsame Projekte mit Senioren sind längst geplant, abseits von geselligem Beisammensein soll beispielsweise der "Digitale Kompass" sicherstellen, dass auch ältere Menschen bei technischen Neuerungen nicht vollends abgehängt werden.

Zunächst aber wird erst einmal das nächste Treffen unter Jugendlichen festgelegt, die etwa zweiwöchentlich stattfinden sollen - nach einer schnellen Abstimmung wurde Fußballspielen und gemeinsames Grillen festgelegt. Omür Bilgin setzt ein ernstes Gesicht auf: "Aber wehe, ihr kommt dann nicht hungrig!"