In Gießen mehr Kohlestrom als in Marburg

In den Thermischen Reststoffbehandlungs- und Energieverwertungsanlagen (TREA) produzieren die Stadtwerke Gießen Strom und Wärme.  Archivfoto: Scholz
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Der Geschäftskundenanteil trägt zum Kohle-Plus in der Gesamtkennziffer der Stadtwerke Gießen bei. Einen Zeitplan für den Ausstieg gibt es nicht.

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. GIESSEN (olz). Warum beziehen die Stadtwerke Gießen noch immer zu 25 Prozent Kohlestrom, wogegen es in Marburg nur 2,5 Prozent sind? Das hat Johannes Rippl den Magistrat gefragt. Stadträtin Astrid Eibelshäuser (SPD) hat mit dem Hinweis auf den deutlich höheren Geschäftskundenanteil der SWG geantwortet.

"Gießener Grünstrom"

Sie verweist darauf, dass das Stromkennzeichen der Produktfamilie "Gießener Grünstrom", die im Wesentlichen mit der Marburger Produktfamilie Plus- und Premiumkunden vergleichbar sei, kohle- und atomstromfrei sei. Diese Produkte würden aber im Wesentlichen von Privatkunden genutzt. "Bei Geschäftskunden ist die Wichtigkeit von Stromqualität deutlich geringer beim Kaufentscheid. Hier entscheidet im Wesentlichen nur der Preis", erklärt Eibelshäuser. Bei dieser Stromlieferung sei dann auch ein nennenswerter Kohlestromanteil zu verzeichnen. "Da die SWG im Gegensatz zu den Marburger Stadtwerken deutlich mehr Menge an Geschäftskunden verkaufen als an Privatkunden (Privatkundensegment umfasst 0,3 Terrawattstunden; Geschäftskundensegment umfasst 1,1 Terrawattstunden), wirkt das Stromkennzeichen des Geschäftskundenbereiches deutlich stärker auf das Gesamtkennzeichen der SWG", erläutert die Sozialdemokratin. Das führe dann dazu, dass die SWG einen Kohlestromanteil von 25 Prozent zu verzeichnen haben. Einen Zeitplan der Gießener Stadtwerke, sich aus dem Kohlestrom zurückzuziehen, gebe es nicht. "Denn das würde bedeuten, dass sich die SWG komplett aus dem Geschäftskundensegment zurückziehen würden. Nur dann ist unter den bestehenden Rahmenbedingungen des Marktes umsetzbar, dass die SWG keinen Kohlestrom mehr in ihrem Stromkennzeichen haben", führt die Stadträtin in ihrer Antwort aus.

Auf die Frage, wann alle kommunalen Gebäude ausschließlich mit Strom aus regenerativen Energien versorgt werden, entgegnet Eibelshäuser, dass alle städtischen Gebäude seit vielen Jahren ausschließlich mit "Gießener Grünstrom" versorgt würden. "Dieser Strom stammt zu großen Teilen aus SWG-eigener Produktion. Hier werden Strom und Wärme zugleich erzeugt, was aus unserer Sicht die effizienteste Variante der Stromerzeugung darstellt", resümiert die Stadträtin.