JLU Gießen: Notdienst der Tierklinik "bleibt geöffnet"

Arme kranke Mieze: Bei der Britisch-Kurzhaar-Katze "Flavio" wird eine Herz-Ultraschalluntersuchung durchgeführt.  Symbolfoto: dpa

Wenn Haustiere plötzlich erkranken, steht der Notdienst des Fachbereichs Veterinärmedizin der JLU Herrchen und Frauchen auch weiterhin rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite.

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. GIESSEN. Der freche Mischling hat sich im freien Feld mit einem deutlich größeren Artgenossen angelegt und blutet nun aus einer Bisswunde auf dem Rücken. Die schwarz-weiße Katze hat seit Tagen keinen Appetit und liegt apathisch in ihrem Körbchen. Und das linke Auge des putzigen Hamsters ist völlig verklebt und sondert eine milchige Flüssigkeit ab: Wenn Haustiere plötzlich erkranken, steht der Notdienst des Fachbereichs Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) Herrchen und Frauchen auch weiterhin rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite. "Unser Notdienst bleibt selbstverständlich geöffnet", betont Prof. Martin Kramer, Dekan des Fachbereichs, im Gespräch mit dem Anzeiger.

Kontakte reduzieren

"Wir orientieren uns an der Humanmedizin und verlegen alle Operationen, die nicht unbedingt notwendig sind, auf später." Dabei gehe es selbstredend nicht darum, freie Betten vorzuhalten, vielmehr soll die Zahl der Personen - Mitarbeiter und Tierbesitzer -, die auf dem Gelände in der Frankfurter Straße miteinander in Kontakt kommen, so weit wie möglich reduziert werden. "Aber bei Tieren, die Schmerzen leiden, werden wir weiterhin alle erforderlichen Maßnahmen durchführen." Der Kleintierchirurg empfiehlt allerdings, sich zunächst mit dem Haustierarzt telefonisch in Verbindung zu setzen. "Er kann entscheiden, ob er das Problem per Telefon behandeln oder ein Medikament empfehlen kann, das für den Patienten abgeholt werden soll." Vorsorglich könne auch geklärt werden, ob der Tierarzt weiterhin eine Sprechstunde anbiete.

"Menschen mit schwerer erkrankten Tieren können auch direkt zu uns kommen", versichert Kramer. Der Veterinär regt an, falls möglich ebenfalls zunächst telefonisch Kontakt aufzunehmen. "Wenn etwa ein Hund angefahren wurde, bleibt nicht immer die Zeit anzurufen." Die Ratsuchenden müssten sich darauf einstellen, dass auch in der Veterinärklinik "alle erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden". Es sollte nur jeweils eine Person mit dem tierischen Patienten erscheinen. "Wir kümmern uns um jedes Tier", betont Kramer, aber es müssten durchaus längere Wartezeiten einkalkuliert werden. "Alles ist so organisiert, dass jeweils ein Besitzer sich anmelden kann. Danach muss er mit seinem Tier wieder nach draußen gehen und warten, bis er aufgerufen wird." Entweder auf dem Gelände oder in seinem Auto.

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Während der Behandlung müssen Herrchen und Frauchen ihre Lieblinge allein in die Obhut der Veterinärmediziner geben. "Sollten eine Operation oder eine Infusion erforderlich sein, sind Besuche nicht gestattet." Auch in dieser Hinsicht folgen die Verantwortlichen des Fachbereichs ihren Kollegen der Humanmedizin. Wenn Hund, Katze oder Hamster wieder gesund sind, können sie samt Krankenunterlagen wieder abgeholt werden. "Das sollen die einzigen Kontakte sein. Denn wir wollen unsere Mitarbeiter und die Besitzer gleichermaßen schützen." Deshalb seien auch mehrere Spender zur Desinfektion aufgestellt worden. In den vergangenen Tagen seien ohnehin "nur ganz wenige Patienten gekommen", schildert der Dekan. "Die Menschen sind sehr vernünftig." Die allgemein geltenden Regeln würden eingehalten und tatsächlich nur Notfälle gebracht.

"Kein Risiko für Menschen"

Angesichts von Gerüchten und Berichten in Boulevardmedien erklärt Martin Kramer nachdrücklich, dass es keine Hinweise gebe, dass Haustiere ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen. "Aus meiner Sicht besteht überhaupt keine Gefahr."

Im Unterschied zu den Tierkliniken, die sich mit reduziertem Personal täglich 24 Stunden im Notdienst befinden, sei an den Instituten - wie an der gesamten JLU - lediglich ein "Basisbetrieb" gewährleistet. "Wo es möglich ist, wird in Home Office gearbeitet."