OB-Kandidaten diskutieren im Offenen Kanal Gießen

Alexander Wright von den Grünen (links) und Frank-Tilo Becher von der SPD diskutieren im Offenen Kanal.  Foto: Offener Kanal Gießen

Frank-Tilo Becher von der SPD und Alexander Wright von den Grünen wollen Oberbürgermeister in Gießen werden. Im Offenen Kanal diskutieren sie ein breites Themenspektrum.

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GIESSEN. Für einen Augenblick herrscht Stille im Studio. Natürlich sind Frank-Tilo Becher von der SPD und Alexander Wright von den Grünen Gegner bei der Stichwahl für das Oberbürgermeisteramt am kommenden Sonntag. Aber sie sind auch Vertreter der aktuellen Regierungskoalition in der Stadt. Und als solche haben sie es mit den Fragen von Moderator Mika Rau, wo sie beide sich unterscheiden und was ihre größte inhaltliche Differenz ist, offensichtlich nicht ganz leicht. In der Debatte der Jugendredaktion "Maneköpp", die am heutigen Samstag ab 17.13 Uhr im Offenen Kanal Gießen und im Livestream auf der MOK-Internetseite zu sehen ist, bringt es Becher schließlich auf den Punkt. Letztlich gehe es um eine Balance zwischen Klimaschutz, Verkehrswende und Sozialem. "Wir werden bei dieser Balance sehr sorgfältig darauf achten, dass die Sozialpolitik nicht hinten runterfällt", sagt der SPD-Mann. Wright kontert: "Wir brauchen eine Priorität im Bereich Klimaschutz. Ich möchte das mit mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität verbinden und bin der Überzeugung, dass das der richtige Weg ist."

Wright oder Becher? Wer wird die Geschicke der Stadt in den nächsten sechs Jahren lenken? Darüber entscheiden die Wähler bei der Stichwahl am morgigen Sonntag. Unentschlossene sollten einen Blick in die Gesprächsrunde von "Maneköpp" werfen. Denn in gut 80 Minuten behandelt die Sendung ein breites Themenspektrum von Klimaschutz über Verkehrswende, Suchtprävention, Lebensqualität über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt bis zu Bildungschancen. Immer wieder fällt im Verlauf des Gesprächs allerdings auf, dass Becher und Wright selten kontrovers diskutieren, sondern ihre Positionen im Grunde genommen ergänzen. Erst in der Abschlussdebatte wird etwas wie Gegensatz zwischen den beiden, die übrigens beide keine Steuererhöhungen wollen, greifbar. Während Becher vom Spagat zwischen Klimaschutz und Sozialem spricht, legt Wright beim Klima einen klaren Schwerpunkt.

Klimaschutz müsse Priorität haben, auch, weil das in den letzten Jahren nicht so gewesen sei, argumentiert der Berufsschullehrer. "Ich finde es immer schwierig, dass man dann mit der Sozialpolitik kommt und sagt: Das ist aber auch wichtig", so der Oberbürgermeisterkandidat der Grünen. Dabei lasse sich der Klimaschutz mit Sozialpolitik verbinden, was der Gießener an Beispielen wie dem Verleihradsystem oder dem ÖPNV verdeutlicht. "Ich finde es in der Kommunikation schwierig, wenn man sagt, dass Klimaschutz alles ist", kontert Becher. Wer aktuell beispielsweise eine Wohnung suche, der habe andere Prioritäten. "Die Argumentation, dass Klimaschutz automatisch sozialverträglich ist, funktioniert nicht. Es wird auch Zumutungen geben und wir müssen schauen, für wen und wie wir den Ausgleich schaffen", meint der Sozialdemokrat.

Die wichtigsten Themen

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Auf Nachfrage von Rau nennt er den Kulturgewerbehof, die Weiterentwicklung von Beteiligungsprozessen und neue Ansätze in der Wirtschaftsförderung als seine drei wichtigsten Themen. "Die Stadt muss bis 2035 klimaneutral sein", steigt Wright in seine Aufzählung ein. Nachhaltigkeit und Digitalisierung will der Politiker als Chancen für die Wirtschaftsförderung verstanden wissen. Als dritten Aspekt nennt er den Aufbau nachhaltiger städtischer Finanzen.

Wer am heutigen Samstagnachmittag keine Zeit hat für die Sendung auf Kabelkanal 391, der findet die Aufzeichnung auch in der Mediathek-Hessen.de in den Rubriken Fernsehen und Offener Kanal Gießen. Auch bei Youtube ist die Gesprächsrunde unter dem Suchbegriff "Maneköpp" veröffentlicht. Hier liegt sie aufgeteilt in vier Filme von jeweils rund 20 Minuten Länge vor. Die Aufteilung richtet sich nach den Themenfeldern "Umwelt und Verkehr", "Wirtschaftsstandort Gießen", "Lebensqualität" und "Allgemeine Fragen".